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drugcom.de

"besoffen, verstrahlt, bekifft, verpeilt"- 

www.drugcom.de ist online
26. Juli 2001

Peter A. will wissen, ob sein Rotweingenuss gesundheitliche Folgen haben kann, Miriam S. fragt verstohlen, ob das Verlangen nach der Zigarette etwa eine "Sucht" sei, Marc E. meint, über E-Pillen wisse er eigentlich gut Bescheid...

drugcom.de ist ein Internetportal rund ums Thema Drogen. Hier können Jugendliche chatten, Fragen stellen und ihr Wissen über Alkohol, Tabak und illegale Drogen wie Ecstasy oder Cannabis testen. Das Projekt ging am Love-Parade Wochenende ans Netz und hatte bereits in den ersten zwei Tagen über 37.000 Zugriffe. Am häufigsten wurden dabei Fragen zu Cannabis gestellt.

Ziel des Projektes ist es, Jugendliche auch außerhalb der Techno-Party-Szene anspre-chen. Ein wesentlicher Schwerpunkt soll die Vermittlung von Wissen über die verschie-denen Substanzen (Drogenwissen) und die kritische Reflexion eigener Drogenerfahrung sein. Das Angebot soll personalkommunikativ sein, d.h. einen Dialog von Diskussionen bis hin zu Beratungsgesprächen ermöglichen. drugcom.de ist ein "atmendes Medium". Wenn sich neue Projekte vorstellen wollen, wenn Wissensfragen ergänzt werden müs-sen, wenn aktuelle Informationen auftauchen - im Internet können diese Änderungen je-derzeit und schnell eingearbeitet werden.

"Die Partyszene hat", so Marion Caspers-Merk, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, "ein erhöhtes Drogenrisiko. Die Love-Parade als Megaparty ist sicherlich ein Ort vermehr-ten Drogenkonsums. Gefährlicher aber ist der Drogenkonsum im Alltag. Nicht mehr Ecstasy allein ist das Problem, brisant ist der Mix von allen möglichen Mitteln. Drogen sind heute da, wo die Jugendlichen sind. Zunehmend macht mir das jugendliche Rausch-trinken Sorgen. Das ist nicht begrenzt auf Großstädte, sondern findet überall statt, be-sonders an den Wochenenden. Das anlässlich der Love-Parade gestartete Internet-Portal drugcom.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung will gezielt Jugendliche auf die Gefahren beim Konsum von Cannabis und Ecstasy, aber auch Tabak und Alkohol hinweisen. Es ist Teil von zielorientierten Präventionsmaßnahmen der Bundesregierung im Bereich der Jugend- und Partydrogen."

Detailinformationen zu Jugend- und Partydrogen

Der Drogenkonsum Jugendlicher in der sog. Technoparty-Szene zeichnet sich durch deutlich höhere Prävalenzen (Cannabis, Ecstasy, Kokain) gegenüber vergleichbaren repräsentativen Altersgruppen aus. Insbesondere der ebenfalls deutlich höhere Mischkonsum gibt Anlass zur Sorge sowie die Beobachtung, dass der vormals szenegebundene Konsum in andere Freizeit-bereiche diffundiert.

Epidemiologische Daten

Ecstasy ist auf dem bundesdeutschen Drogenmarkt erst seit Anfang der 90er Jahre von Bedeutung. Die Lebenszeitprävalenz (damit ist der gesamte Lebenszeitraum gemeint) von 5,5 % bei den 18- bis 24jährigen jungen Erwachsenen in Westdeutschland (18-34 Jahre: 3,3 %) zeigt, dass Ecstasy - obwohl im Vergleich zu anderen Drogen noch nicht so lange auf dem Markt - von einer kleinen Gruppe von hauptsächlich jungen Konsumenten in er-heblichem Umfang konsumiert wird. Die Entwicklung in Westdeutschland zeigt aber, dass die Lebenszeitprävalenzen seit 1995 stabil geblieben sind, in Ostdeutschland dagegen in der Gruppe der 18- bis 24jährigen seit 1997 (2,4 %) eine weitere Zunahme der Konsumer-fahrung (2000: 4,1 %; 18-34 Jahre: 5,1 %). Diese Entwicklung findet sich auf niedrigerem Niveau (1?2 %) auch bei der 12-Monats-Prävalenz, Unterschiede zwischen Ost- und West-deutschland sind kaum mehr festzustellen.

Die Fallzahlen im polizeilichen Bereich weisen eine Zunahme im Jahr 2000 für Ecstasy auf: Die Anzahl der Sicherstellungen ist 2000 deutlich angestiegen (Fälle: 2000: 4.681; 1999: 2.883; 1998: 1.986; 1997: 2.368), wie auch die Zahl der Ecstasykonsumenten, die wegen ihres Drogenkonsums erstmals polizeilich auffällig wurden (2000: 5.495; 1999: 3.170; 1998: 2.830; 1997: 3.799). Die Anzahl an Klienten, die sich hauptsächlich wegen Ecstasy und ähnlichen Substanzen in ambulante Beratung oder Behandlung begeben ha-ben, hat sich 1999 um 16 % auf 917 Personen vergrößert. Die Substanzen werden häufig im Zusammenhang mit anderen Drogen gebraucht, was die sechsfache Anzahl an Einzel-diagnosen andeutet. Amphetamine: Im Lebenszeitraum haben 4,7 % der Personen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren in den alten (18-34 Jahre: 4,7 %) und 3,9 % der 18- bis 24jährigen in den neuen Bundesländern (18-34 Jahre: 3,8 %) mindestens einmal Amphetamine konsumiert. Die Prävalenzwerte für die letzten 12 Monate liegen in der Altersgruppe der 18- bis 24jährigen in Westdeutschland bei 2,8 % (18-34 Jahre: 1,4 %) und in Ostdeutschland bei 2,0 % (18-34 Jahre 1,2 %). Im Vergleich zum Jahr 1990 weisen die Zahlen zum aktuellen Konsum eine leichte Steigerung auf. Die aktuellen Sicherstellungsfälle für Amphetamin und Methamphetamin sind 2000 leicht zurückgegangen (Fälle: 2000: 3.726; 1999: 3.811; 1998: 4.079; 1997: 3.571) und die Beschlagnahmungsmengen haben sich (2000: 271 kg; 1999: 360 kg; 1998: 310 kg; 1997: 234 kg) verringert. Andererseits hat sich die Anzahl der polizeilich erstauffälligen Konsumenten von Amphetaminen im letzten Jahr etwas erhöht (2000: 6.288; 1999: 6.143; 1998: 6.654; 1997: 5.535). Maßnahmen der Bundesregierung Es wurde mit szenenahen Initiativen und Experten aus der Suchthilfe und Prävention die Vor-bereitung einer bundesweiten Expertentagung begonnen, die im September 2001 durchge-führt werden wird. Ziel dieser Veranstaltung wird die Konsensbildung in methodischen Fragen und strategischen Vorgehensweisen in der Praxis sein. Bereits 1997 hatte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine erste Expertentagung durchgeführt, deren Ergebnisse (Leitlinien) nun einer Überprüfung und Fortschreibung unterzogen werden sollen.

Auch auf europäischer Ebene wurde ein Nachrichten- und Informationssystem zur frühzeitigen Erkennung neuer Erscheinungsformen synthetischer Drogen geschaffen. Hierdurch sollen Er-kenntnisse zum Verbreitungsgrad und Risikopotential dieser Drogen zur Verfügung gestellt werden, um geeignete Präventionsmaßnahmen, legislative Initiativen und eine effektive Straf-verfolgung zu gewährleisten. Im Rahmen des Frühwarnsystems werden alle zur Verfügung stehenden Informationsquellen aus den Bereichen Gesundheit, Erziehung, Beratung, Therapie und Strafverfolgung genutzt.

Die Grundstoffüberwachung in Deutschland umfasst heute ein Bündel sich gegenseitig ergän-zender Maßnahmen der Genehmigungsbehörden, der Strafverfolgungsorgane und der Wirt-schaftsbeteiligten, das in seiner Gesamtheit ein wirkungsvolles System zur Kontrolle der illega-len Grundstoff? und Chemikalienherstellung oder -abzweigung schafft. Im Bereich der Straf-verfolgung liegt der Schwerpunkt bei der Bekämpfung des organisierten Handels- und Schmuggels mit synthetischen Drogen.

Aufgrund der zunehmenden Internationalisierung in diesem Phänomenbereich ist die Zusam-menarbeit mit den wesentlichen Herkunfts-, Transit- und Konsumländern von hoher Bedeu-tung.

Mit dem Ziel der Kontrolle der Betäubungsmittel hat die Bundesregierung 14 weitere sog. Designerdrogen, bei denen der dringende Verdacht gesund-heitsschädigender Wirkung besteht, dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt. Aufgrund der Gesamtheit der getroffenen Maßnahmen kann davon ausge-gangen werden, dass Deutschland nicht zu den bedeutsamen Produktions-ländern synthetischer Drogen zu rechnen ist.

Eine Studie, die im Auftrag der Bundesregierung unter der Leitung von Dr. Rainer Thomasius am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf durchgeführt wurde, verfolgte die Frage, welche psychiatrischen, neurologischen und internistischen Gesundheitsschäden die synthe-tische Droge "Ecstasy" am Menschen hervorruft und ferner, ob diese Schäden mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen und Neurosenstrukturen der Konsumenten zusammenhängen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Ausmaß an drogeninduzierten psychischen Störungen bei Ecstasykonsumenten hoch ist und es Hinweise auf signifikante persönlichkeitsstrukturelle Entwicklungs- und Identitätsstörungen bei den schweren Ecstasykonsumenten gibt. Die Mög-lichkeit von langfristig bleibenden Beeinträchtigungen der Gehirnaktivität durch Ecstasykon-sum kann nach den Ergebnissen nicht ausgeschlossen werden. Der Frage nach der Reversibi-lität der eingetretenen Störungen wird z. Zt. in einer weiterführenden, längsschnittlich angeleg-ten Studien nachgegangen.

Im Rahmen eines Bundesmodells, das bis zum Jahresende 2001 läuft, wird in Rostock eine Designerdrogensprechstunde erprobt, wo im Rahmen der psychiatrischen Klinikambulanz Ju-gendliche ein sozialmedizinisches diagnostisches sowie beratendes und therapeutisches An-gebot erhalten. Das Projekt richtet sich vor allem an jugendlichen Konsumenten illegaler Dro-gen. Es stellt zudem eine Schnittstelle zum Versorgungssystem der Jugendhilfe dar. Es zeigte sich, dass viele Jugendliche, die sich auf einem verhängnisvollem Weg zu einer "klassischen Drogenkarriere" befanden, durch dieses Angebot erreicht und aufgefangen werden konnten. Es sollen mit diesem innovativen Projekt auch Zugangsbarrieren für Jugendliche zu den Hilfesys-temen abgebaut werden.

 

 

    

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