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Hilfe - mein Kind braucht mich

Quelle: stern.de

Gute Eltern, schlechte Eltern - und was macht den Unterschied? Väter und Mütter tun sich heutzutage schwer mit der Erziehung ihres Nachwuchses. Was sind die häufigsten Fehler, und welche Regeln sind vernünftig? Der stern sprach mit Familienpsychologen, Verhaltenstherapeuten und Jugendforschern

Die unbeschwerte Kindheit ist ein Mythos, auch in vielen "heilen" Familien. Das zeigte die bundesweite Kinder- und Jugendstudie des stern, die im vorigen Heft präsentiert wurde: Unsere Töchter und Söhne sind heute weit mehr belastet, als wir es wahrhaben wollen. Schwierige Zeiten für Eltern. Denn was können sie tun, damit ihre Kinder einigermaßen unbeschadet groß werden?

NUR KEINE ANGST VOR DER ERZIEHUNG! Die eigene Erziehung der Eltern taugt nicht mehr als Vorbild für die Erziehung der Kinder. Der autoritäre Stil ist überwunden, der antiautoritäre hat seine Schwächen bewiesen. Und in ihrer Ratlosigkeit ziehen viele Eltern die falsche Konsequenz: "Es wird gar nicht mehr erzogen", rügt der Innsbrucker Kinderpsychologe Heinz Zangerle. Devise: Wer nichts macht, macht nichts falsch.

Fragwürdige Bestseller wie das vor anderthalb Jahren erschienene Buch der US-Autorin Judith Rich Harris "Ist Erziehung sinnlos? Die Ohnmacht der Eltern" bestärken Väter und Mütter noch in ihrer Verweigerungshaltung. Erziehung, so die These, sei sowieso weitgehend nutzlos. Gene, Freundeskreis und Medienumwelt bestimmten die Entwicklung der Sprösslinge. Papa und Mama bleibe nur die Wartungsfunktion. Also Platz nehmen im Schaukelstuhl und den Nachwuchs laufen lassen, wie und wohin er will? Zurücklehnen und den pädagogischen Zeitgeist wehen lassen? Nein! Einen Irrweg nennt Wolfgang Bergmann, Kinder- und Familientherapeut in Hannover, diese "Eiapopeia-Pädagogik", die womöglich noch jedes Verhalten des Kindes "versteht". "Kinder, die alles dürfen, sind eher nicht die glücklicheren Kinder", mahnt auch die Ratinger Psychologin und Verhaltenstherapeutin Annette Kast-Zahn. "Es sind häufig verunsicherte, sich selbst überlassene Geschöpfe." Sie appelliert an die Eltern, sich mit ihren Kindern auseinander zu setzen - auch wenn das der unbequemere und anstrengendere Weg ist.

 

Hilfe, mein Kind braucht mich ...

ERZIEHUNG IST BEZIEHUNG! "Wie sollen die Eltern viel von ihren Kindern erfahren, wenn sie zwischen Abendessen und TV-Spielfilm mal kurz auf Familie machen?", fragt Heinz Zangerle. Das gilt besonders, wenn beide Eltern arbeiten müssen: Eingezwängt ins starre Zeitkorsett der Industriegesellschaft, bleibt ihnen oft wenig Freiraum, ein Familienleben stattfinden zu lassen, das diesen Namen verdient. Erziehung wird zur Mikrowellen-Beziehung, in der die Mutter das Kind beim Zubettgehen noch schnell abfragt, wie denn die Mathe-Arbeit gelaufen ist. Statt Liebe und Zeit gibt es Geld und Gameboy. Was fehlt, klagt Heinz Zangerle, sind "ruhige Zuwendung und Auseinandersetzung, gegenseitiges Verstehen, geduldige Suche nach Ursachen, wenn?s Probleme gibt, Anstrengungsbereitschaft. Und zwar von Vater und Mutter". Vor allem Väter drückten sich gern vor den notwendigen Gesprächen mit ihren Kindern. Zangerle: "Väter, die wirklich harte Erziehungsarbeit leisten, kenne ich nur wenige. Den ,neuen Vater? gibt es schon. Doch der will sich vor allem zum Freund des Kindes machen, verströmt wohlmeinende Leere und glaubt dann, das wäre Erziehung. In Wahrheit kümmert er sich nur um dessen Butterseite. Das sind die Hobby- und Sportväter. Solche Väter machen das Kind aber in Wahrheit zum Halbwaisen."

ZU VIEL EHRGEIZ SCHADET NUR! Von der Nachhilfe in die Reithalle und danach zum Geigenunterricht: Mütter im Stress - und ihre Kinder auch. Nichts fürchten leistungsorientierte Eltern mehr, als dass ihr Nachwuchs eine Chance verpasst. Sie wollen ihr Kind fit machen fürs Leben. Deshalb fängt die Konkurrenz schon im Sandkasten an. Kann deiner schon krabbeln, kann meiner schon klettern, kann deiner schon sprechen, kann meiner schon singen?

Hilfe, mein Kind braucht mich ...

GRENZEN SETZEN! Das Schlüsselwort der pädagogischen Trendwende heißt "Grenzen setzen". Einer der Trendsetter war der Familien- und Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge, Autor des Bestsellers "Kinder brauchen Grenzen". Junge Menschen hätten ein Recht auf "begleitende Autorität", schreibt er. Nur wer ihnen Grenzen setze, bringe ihnen bei, dass Konflikte zum Leben gehören. Stimmt denn nicht, was Erziehungswissenschaftler Holger Wyrwa in seinem Buch "Die Schlaraffenlandkinder" behauptet, dass nämlich "viele Mütter heute nur noch die Sklavinnen ihrer Kinder" sind? Aus Angst vor der seelischen Zerbrechlichkeit ihrer Sprösslinge entwickeln viele Mütter ein katastrophales Leidenspotenzial. Sie lassen sich demütigen, beleidigen, auslachen. Folge: Das Kind nimmt die Mutter nicht ernst. "Kinder, die nicht die Erfahrung machen, dass ihrem Verhalten Grenzen gesetzt sind, wachsen mit einem unrealistischen Bewusstsein auf und halten sich für Riesen, wo sie nur Zwerge sind", warnt Wyrwa. Er fordert deshalb: "Entmachten Sie die kleinen Tyrannen zu ihrem eigenen Besten." Diskussion und klare Argumente bekommen Kindern hundertmal besser als Dauerharmonie und Nachgiebigkeit. "Eltern müssen die Sparringspartner der Kinder sein", fordert Zangerle. Ein Kind braucht die Mutter als eine Mauer, gegen die es auch mal anrennen kann. Und es braucht den Vater, der mal sagt: "Hier ist die Grenze, Mitternacht bist du zu Hause!"

VERBIETEN IST NICHT VERBOTEN! Wie gibt man Kindern Orientierung in einer Welt, die kaum noch feste Werte

-------------------------------------------------------------------------------- "Immer mehr Kinder sind überangepasste, intellektuelle Stopfgänse" Heinz Zangerle, Kinderpsychologe --------------------------------------------------------------------------------

kennt - ohne dass dies zur Renaissance überholter autoritärer Erziehung führt? Durch "produktiven Widerstand" fordert der Bielefelder Jugendforscher Klaus Hurrelmann. Der neue Erziehungsstil kommt mit dem Etikett "autoritativ" daher. Soll heißen: Liebevoll und zugewandt, aber entschieden dort,

-------------------------------------------------------------------------------- "Entmachten Sie die kleinen Tyrannen zu ihrem eigenen Besten" Holger Wyrwa, Erziehungswissenschaftler --------------------------------------------------------------------------------

wo festzulegen ist, was geht und was nicht. Das hat nichts zu tun mit der autoritären Strenge der fünfziger und sechziger Jahre, in denen Prügel-Papas nur zu oft das Maß aller pädagogischen Weisheit waren. Entwertet hat sich andererseits auch das Päda-Prinzip der liberalen Güte, mit der die Eltern der Siebziger in die "Verwöhnungsfalle" gelockt wurden. Sie vergötterten ihre Kinder, statt sie zu erziehen. Außer verbieten war nichts verboten. Kinder brauchen jedoch konsequente Eltern. Nur so können diese in einer unübersichtlichen Kinderwelt Strukturen herstellen und damit Halt geben. "Kinder sind zwar gleichwürdig", sagt Zangerle, "aber nicht gleichberechtigt".

 

Hilfe, mein Kind braucht mich ...

NUR NICHT HÜ UND HOTT! Für Jugendforscher Klaus Hurrelmann ist er ein Erzübel der Erziehung: der Hü-und-hott-Stil vieler Eltern, die ständig zwischen Nachgiebigkeit und Strenge schwanken. "Wankelpädagogik" nennt die Schweizer Buchautorin und Psychologin Eva Zeltner das. "Wer fünfmal nein sagt und dann doch nachgibt, hat schon verloren." Die Kinder leiden im ständigen Wechselbad der Gefühle: Die Eltern reagieren mal so, mal so, nur nie berechenbar. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Kinder und Jugendliche selbst zunehmend nach Orientierung verlangen. Maxime für erfolgreiche Erziehung ist daher Verbindlichkeit, sagt der Familienpsychologe Wolfgang Bergmann. Für ihn heißt das: Verabredungen mit den Kindern einhalten, familiäre Regeln durchsetzen, Wünsche begrenzen, die ständig auf Kosten eines anderen Familienmitglieds gehen. Wie lautet die Handy-Regel? Abschalten während des Mittagessens? Alsdann!

STRAFE DARF SEIN, SCHLAGEN IST VERBOTEN! Die Dreijährige patscht schon zum dritten Mal an diesem Tag ihre rote Sandschippe auf den Kopf des Vierjährigen Nachbarjungen. Und blickt danach aufsässig zur Mutter. Mal gucken, was die macht. Der Fünfjährige tobt kreischend an der Hand seiner Mutter von zu Hause bis in den Kindergarten und tritt nach ihr, weil er seine fünf Monster-Figuren nicht mitnehmen durfte. Mal sehen, wie lange Mama den Stress aushält. Hier probieren kleine Kinder, wie weit sie gehen können. "Die aufgesetzte Toleranz vieler Erwachsener testen Kids mit Aufsässigkeit, Tyrannei und Aggressivität", sagt Eva Zeltner. Ohne Sanktionen

-------------------------------------------------------------------------------- "Kinder brauchen produktiven Widerstand" Klaus Hurrelmann, Jugendforscher --------------------------------------------------------------------------------

geht es manchmal nicht. Erlaubt sind Strafen allerdings nur, wenn positive Formen, das Verhalten zu beeinflussen, versagt haben. Schlagen ist strikt verboten - auch der so oft zitierte "kleine Klaps" ist nur eine Variante der Rohrstock-Pädagogik. Falsch sind auch gebrüllte Kommandos, wilde Drohungen, rüde Beleidigungen und völlig überzogene Strafen wie sechs Wochen Hausarrest für zweimaliges Zuspätkommen. "Sinnlos sind Strafen, die beim Kind das Gefühl auslösen, ohnmächtig den Eltern ausgeliefert zu sein", sagt Kinderpsychologe Zangerle. Deshalb sollte sich die Sanktion immer auf das Fehlverhalten beziehen. Trampelt das Kind also wiederholt mit dreckigen Turnschuhen ins Bad, bringt Taschengeldentzug gar nichts - viel wirkungsvoller wäre, das Putzen der Badfliesen zu verordnen. Und wenn das alles nichts nützt? Dann setzt Erziehungsberater Rogge auf das Prinzip Auszeit: Man geht zunächst auf räumlich-zeitliche Distanz, weist das Kind aus dem Raum oder geht selbst. Wenn der Adrenalinspiegel gesunken ist, müssen

-------------------------------------------------------------------------------- "Wer fünfmal Nein sagt und dann doch nachgibt, hat schon verloren" Eva Zeltner, Psychologin --------------------------------------------------------------------------------

Eltern und Kind gemeinsam nach einer Lösung suchen.

Hilfe, mein Kind braucht mich ...

INTERNET-KIDS SOZIALE ORIENTIERUNG GEBEN! Das Internet, Vehikel durch eine Welt ohne Grenzen, ist bald in fast jeder Familie verfügbar - unkontrollierbar in seinen Inhalten, 24 Stunden am Tag abrufbar. Es beeinflusst, verändert seine Konsumenten, von denen viele erst neun, zehn Jahre alt sind - auch positiv. Noch nie, so das Ergebnis einer Studie der Fraunhofer-Institute, waren Intelligenz und Kreativität einer Kindergeneration so trainiert wie heute. Gleichzeitig ist elterliche Erziehungskraft gefordert. "Kinder benötigen in der unübersichtlichen multimedialen Welt mehr soziale Orientierung als jemals zuvor", sagt der Familienpsychologe Wolfgang Bergmann. Chatrooms im World Wide Web dürfen Gespräche mit den Eltern nicht ersetzen. Zeitliche Kontrolle ist geboten - das digitale Netz sollte ebenso wenig wie der Fernseher zum elektronischen Babysitter werden. Die Eltern müssen sich gegen die Eindrucksmacht der Medien behaupten. Kein Klacks, denn was den medialen Kulturbruch für Eltern besonders problematisch macht: Kids rücken in den Familien zunehmend in die Rolle digitaler Experten. Von "Teengurus" spricht die US-Wissenschaftlerin Sara Kiesler.

-------------------------------------------------------------------------------- "Kinder benötigen in der unübersichtlichen multimedialen Welt mehr soziale Orientierung als jemals zuvor" Wolfgang Bergmann, Familienpsychologe --------------------------------------------------------------------------------

Ihr Kollege Watts Wacker sagt: "Wir treffen auf die erste Generation, bei denen 14-Jährige in vielen Aspekten kenntnisreicher sind als ihre Eltern." Das erschwert natürlich die Ausübung von Autorität. Denn mit dem Wissensvorsprung wächst das Selbstbewusstsein der Kinder.

ERZIEHUNG MUSS MAN LERNEN ! Wie sollen Eltern ihren Kindern sagen können, wo es langgeht, wenn sie es selbst nicht wissen? Wo können Eltern Grenzsetzung lernen, die nicht auf Liebesentzug hinausläuft? Wie setzt man Regeln, ohne aggressiv zu werden? Wie vermeiden Eltern, zum Kumpel der Kinder zu werden? Da müssen große Menschen für kleine Menschen Lotsen spielen, obwohl sie den richtigen Kurs selbst nicht kennen.

-------------------------------------------------------------------------------- "Mindestens 50 Prozent der Eltern bräuchten Elterntraining. Auch Akademiker und Mittelschichtler hätten das supernötig" Klaus Hurrelmann, Jugendforscher --------------------------------------------------------------------------------

"Mindestens 50 Prozent der Eltern bräuchten Elterntraining", glaubt Jugendforscher Klaus Hurrelmann. "Sie sind überfordert." Aus Australien kommt das Erziehungstraining "Triple P", bei dem die drei "P" für Positive Parenting Program stehen. Es macht Ernst mit dem Gedanken der pädagogischen Prävention. In Ulm beispielsweise soll es künftig flächendeckend durchgezogen werden. Andere Pädagogen rufen nach Fortbildungskursen, die am Beginn jeder neuen Lebensphase der Kinder stehen sollten: wenn sie in den Kindergarten kommen, beim Schulanfang, vor der Pubertät. Klaus Neumann, Psychologe am Münchner Kinderschutzzentrum, fordert Schleuderkurse für Eltern: "Jeder, der Auto fahren will, braucht einen Führerschein. Nur bei der Erziehung geht es noch zu wie zu Kaisers Zeiten, Erziehung gilt als reine Privatsache." Hurrelmann plädiert für Elternzertifikate: "Wer als Tagesmutter oder in einem Pflegeberuf arbeiten will, muss doch auch eine Prüfung ablegen. Weshalb also nicht auch Vater und Mutter? Man sollte darüber nachdenken, dass nur Kindergeld bekommt, wer regelmäßig Elternkurse absolviert."

 

    

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