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Geborgen in einer unsicheren Welt

Interview mit Dr. Yvonne Fritzsche, Psydata Institut Frankfurt am Main, Mitautorin der Shell-Jugendstudien 1997 und 2000

Die herkömmliche Ehe und Familie soll es nicht mehr sein?

Nicht einmal jeder zweite deutsche Jugendliche sieht die Ehe als erstrebenswerte Lebensform an. Interessanterweise sind es gerade ausländische Jugendliche, insbesondere die Türken, die diese klassischen Muster - Zusammenleben erst nach der Heirat, mehr als ein Kind usw. - am ehesten vertreten. Deutsche Jugendliche sind zu mehr als 70 Prozent geneigt, andere Formen des Zusammenlebens zu praktizieren.

Welche Bedeutung hat dann die Familie?

Die Funktion der Partnerschaft steht im Vordergrund: Sie ist die Institution, die Rückhalt und Geborgenheit bieten kann in einer Gesellschaft, in der es schwer ist, sich zu behaupten. Sie ist gewissermaßen die Rückversicherung, wenn alles scheitert, das Auffangnetz für alle Fälle. Auf diesem Hintergrund hat übrigens nicht nur die eigene künftige Partnerschaft eine Aufwertung erfahren, sondern auch die Herkunftsfamilie. Den eigenen Eltern und Großeltern begegnen junge Leute heutzutage mit viel mehr Wertschätzung, sie verderben es sich nicht mehr so leichtfertig mit ihnen. Dort können sie im Ernstfall Unterstützung und Hilfe finden.

Die Generationenkonflikte sind demnach beerdigt, man rückt wieder enger zusammen?

Man hat es nicht mehr nötig, trotzig zu sein. Deshalb lösen sich Jugendliche von Elternhaus meist nicht mehr im Konflikt, sondern in Absprache mit ihnen. Im Osten Deutschlands ist das noch stärker ausgeprägt als im Westen. Die Bindung ans Elternhaus ist und bleibt dort größer. Das hat sicher damit zu tun, dass es dort für junge Menschen problematischer ist, sich auf eigene Beine zu stellen und sich beruflich zu festigen. Außerdem teilen sie die Erfahrung von Unterlegenheit und Benachteiligung mit den Eltern.

In den 80er Jahren stellte die Shell-Studie fest, dass junge Leute stark im Hier und Jetzt leben. Heute ist wieder Lebensplanung angesagt?

Das konnten sich die Jugendlichen damals auch leisten - der Einstieg in das Erwachsenenleben war dadurch nicht gefährdet. Das ist heute ganz anders: Man muss etwas tun, man muss sich frühzeitig kümmern und sich fit machen für den Existenzkampf.

Partnerschaft und Familie als Teil der strategische Planung, um sich als Erwachsener in einer unsicheren Umwelt einzurichten?

So könnte man das sagen. Die heutigen Jugendlichen gehen recht illusionslos und sehr pragmatisch an diese Fragen heran. 25 Prozent selbst der besonders familienorientierten Jugendlichen sehen es dabei als durchaus möglich an, auch mal getrennt von ihrem Partner zu wohnen. Das ist aber keine grundsätzliche Single-Mentalität. Getrenntes Wohnen ist allenfalls eine Behelfslösung. Das Ideal ist und bleibt das gemeinsame Zuhause mit dem Partner, der Ort zum Wohlfühlen, der gute Bedingungen für die Kinder bietet.

Hat sich bei den weiblichen Jugendlichen die Gewichtung zwischen Familie und Beruf geändert?

Bei den ganz jungen Mädchen ist die Berufsorientierung sehr stark ausgeprägt - sogar noch etwas stärker als bei den gleichaltrigen Jungen. Sie möchten alles, sie können alles. Wenn sie älter werden, müssen sie erkennen, das die Verhältnisse nicht so sind. Sie können die hohen Ansprüche z. B. an Mobilität nicht mit Kindern und Familie vereinbaren und werden gezwungen, Prioritäten zu setzen. Dann akzeptieren sie gewissermaßen ihre "natürliche Rolle": 66 Prozent der 22- bis 24-jährigen möchten Kinder haben und müssen in Kauf nehmen, dass sie beruflich zurückgeworfen werden.

Gibt in diesem Punkt Unterschiede zwischen Ost und West?

Bei den ostdeutschen Frauen beobachten wir eine große Gruppe von jungen Frauen die eine klare Entscheidung zugunsten des Berufes trifft. Und es gibt ebenso eine größere Gruppe, die sich klar dafür entscheidet, als "Heimchen am Herd" fungieren zu wollen. Das sind meist diejenigen, die sich frühzeitig abgehängt fühlen und schon in der Schule sagen: Ich hab' eh keine Chance. Das Mittelfeld, also die Gruppe der Frauen, die den Kompromissweg versucht, ist weniger stark ausgeprägt. Das haben wir typischerweise bei den Mädchen und Frauen im Westen: das Bestreben Familie und berufliche Karriere zu verbinden, wobei sie dann auf beiden Gebieten nicht die besten Ergebnisse erzielen.

Quelle:
Shellstudie 2000
PZnet
 

    

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