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Viele Jugendliche kommen nicht vom Alkohol los 

Oft bleibt es nicht bei der Mutprobe in der Clique oder dem Rausch auf der Party. Für viele Jugendliche in Deutschland führt die Flasche Bier unter Freunden in die Alkoholabhängigkeit. Der Einstieg in die Sucht geschieht dabei immer früher. Alkohol ist nach wie vor die Droge Nummer Eins in Deutschland. Zwar geht der Alkoholkonsum unter Jugendlichen seit mehr als 20 Jahren stetig zurück. Der missbräuchliche Konsum hingegen steigt.

Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) in Hamm geht von etwa 1,6 Millionen alkoholkranken Menschen in Deutschland aus. Weitere 2,7 Millionen trinken mehr, als empfohlen wird - Tendenz steigend. «Jeweils zehn Prozent davon sind unter 25 Jahre alt», sagt Christa Merfert-Diete von der DHS. Die Zahl der Abhängigen bei den illegalen Drogen ist deutlich geringer. Je früher Kinder und Jugendliche beginnen, Alkohol zu trinken, desto größer ist der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln zufolge die Gefahr einer späteren Abhängigkeit. 

Doch das Einstiegsalter sinkt: «Es trinken immer mehr Jüngere», sagt Ingrid Nieweg von der Fachklinik Weihersmühle bei Großhabersdorf (Bayern). Viele Zwölfjährige trinken bereits regelmäßig Alkohol, und schon Achtjährige sammelten erste Erfahrungen mit der Droge. 

Oft trete eine Abhängigkeit im Alter zwischen 14 und 16 ein, sagt Jürgen Schlieckau von der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn (Niedersachsen). Jugendliche seien besonders anfällig für die Sucht, da in der Pubertät die Loslösung vom Elternhaus beginne, erklärt Therapeutin Nieweg. Die Anerkennung in der Clique nehme in dieser Zeit viel Raum ein. So erzählten viele Betroffene, mit dem Trinken angefangen zu haben, weil sie dabei sein und Spaß haben wollten. Auch Schwierigkeiten in der Schule, Krisen bei der Berufsfindung oder in einer Beziehung sowie Probleme im Elternhaus stehen häufig am Anfang einer Alkoholsucht, die sich dann meist über viele Jahre entwickelt. 

Die jüngsten Patienten in der Klinik in Großhabersdorf seien 17 Jahre alt. Viele suchten erst Hilfe, wenn es gar nicht mehr anders geht, sagt die Therapeutin. «Der Missbrauch wird zunächst gar nicht als problematisch wahrgenommen», bestätigt Therapeut Jürgen Schlieckau. Irgendwann gebe es dann aber kein Zurück mehr. 

«Jugendliche trinken sich in Stimmung. Das ist absolut üblich», sagt Christa Merfert-Diete. Sie werteten Alkoholkonsum oft als ein Zeichen von Stärke. Viele finden daher nicht rechtzeitig den Weg in die Therapie, obwohl sie Hilfe benötigen. «Viele Jugendliche wollen sich aus Scham nicht behandeln lassen», sagt Jürgen Schlieckau. Die Bereitschaft, eine Therapie zu beginnen, entwickele sich meist erst durch Druck von außen. Der ist jedoch nicht immer vorhanden: Trinken und Geselligkeit gehören für viele Erwachsene noch immer zusammen. Von Eltern und Öffentlichkeit gebe es daher kaum Kontrolle, so Merfert-Diete. 

Auch auf den Jugendschutz beim Alkoholverkauf wird ihrer Ansicht nicht genug geachtet. Vorbeugung sei daher besonders wichtig. Eltern sollten darauf hinwirken, Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol nahe zu bringen. Den Erwachsenen komme eine Vorbildfunktion zu, gerade weil Alkohol eine in der Gesellschaft akzeptierte Droge ist. 

Eltern sollten auch ihr eigenes Trinkverhalten kritisch hinterfragen. Verteufeln habe sich aber nicht bewährt, sagt Jürgen Schlieckau. Vielmehr sei die Offenheit der Eltern für Probleme der Kinder gefragt. Sie sollten zuhören, was ihr Kind bewegt, rät der Therapeut. Dazu gehöre auch, sich rechtzeitig beraten zu lassen, wenn ein Kind Probleme mit Alkohol hat. 

Hilfe erhalten Betroffene bei den Wohlfahrtsverbänden. Auch die Gesundheitsämter oder der Hausarzt vermitteln Adressen von Suchtberatungsstellen vor Ort. Nach acht bis zehn Tagen Entzug folgt eine Therapie in einer Fachklinik. Die Sucht bleibt allerdings bis zum Tod. Das Entscheidende in der Therapie ist daher, ohne die Droge wieder Spaß am Leben zu finden, sagt Jürgen Schlieckau. Vielen gelingt das nicht: Ein Drittel der Patienten in Ahlhorn schafft den Absprung nicht. «Gerade junge Leute brauchen meist zwei oder drei Anläufe», ist die Erfahrung von Therapeutin Ingrid Nieweg. Wenn auf der Party bei Freunden getrunken werde, falle gerade Jugendlichen das Nein sagen sehr schwer. 

Letztlich hilft nur der Ausstieg aus der alten Clique. «Wir motivieren unsere Patienten sehr, sich andere Freunde zu suchen», sagt sie. Es gehe einfach nicht, nicht zu trinken, wenn alle anderen betrunken seien. 

Informationen: 

  • Suchtberatungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln (Tel.: 0221/89 20 31); 
  • Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren, Westring 2, 59065 Hamm (Tel.: 02381/90 15 0). 
  • Bei der BZgA kann auch kostenlos die Broschüre «Alles klar: Tipps und Informationen für den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol» bestellt werden unter BZgA, 51101 Köln (Fax: 0221/899 22 57, E-Mail: order@bzga.de).
 

    

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