Eheseelsorge.Net
Der optimistische Ansatz zur Ehe und Familie
Damit
Gutes bleibt 
[home] [Information] [Ehe] [Familie] [        ] [Verschiedenes] [Impressum]

[NEWS]

Gewalt in der Familie 
Häusliche Gewalt gegen Partner und Kinder

Der Terroranschlag auf die Zwillingstürme des World Trade Center in New York und die darauf folgenden Militäraktionen gegen Afghanistan haben unsägliches Leid über Tausende von Menschen gebracht. Aber nicht nur offener Terror und kriegerische Gewalt bringen Unterdrückung, Leid und Tod. Daneben gibt es auch viel sublimere Formen von Gewalt, wie Missachtung der persönlichen Selbstbestimmung oder Formen gewalttätiger Aggression, die sich eher im Geheimen abspielen. In einer Vielzahl von Familien ist, weitgehend unbemerkt von Freunden und Nachbarschaft, psychische und physische Gewalt an der Tagesordnung. Die Rede ist hier von dem sozialen Phänomen "häusliche Gewalt", das über Jahrzehnte hinweg gesellschaftlich mit einem Tabu belegt war. Indes haben sich die gesellschaftlichen Wertvorstellungen langsam, aber stetig geändert. So trat 1997 nach langwierigen Diskussionen das Gesetz über Vergewaltigung in der Ehe in Kraft. Im häuslichen Umfeld finden aber nach wie vor häufig körperliche Misshandlungen, Missbrauch und Vergewaltigungen statt. Im Gesetzesentwurf des sog. Gewaltschutzgesetzes ist von ca. 45.000 Frauen die Rede, die jährlich in einem der 435 Frauenhäuser Zuflucht vor dem prügelnden Ehemann oder Lebensgefährten suchen 1 . Und noch immer werden Kinder zuhause geschlagen. Das Ausmaß elterlicher Gewalt war Gegenstand von Untersuchungen des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Im Rahmen einer Befragung von 16.190 Schülern der 9. bzw. 10. Jahrgangsstufe aus neun verschiedenen Städten wurde ausgeübte körperliche Gewalt in ihren verschiedenen Varianten erhoben: Demnach hatten 9,8 % Gewalt in Form von elterlicher Misshandlung erfahren 2 . In absoluten Zahlen sind es jährlich 150.000 Kinder unter 15 Jahren, die körperlich misshandelt werden 3 . Schutz im sozialen Nahraum ist ein Thema, das die rot-grüne Bundesregierung mit verschiedenen Gesetzesvorhaben angegangen hat. Unter Federführung des Justizministeriums wurde am 13. Dezember 2000 ein Gesetzesentwurf "zur Verbesserung des zivilgerichtlichen Schutzes bei Gewalttaten und Nachstellungen" sowie "zur Erleichterung der Überlassung der Ehewohnung bei Trennung" eingebracht, der am 1. Januar 2002 in Kraft tritt. Gleichfalls wurde im November 2000 das "Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung und zur Änderung des Kindesunterhalts" beschlossen. Es soll dazu beitragen, ein neues Leitbild in der Kindererziehung zu etablieren, und will Eltern Hilfsangebote machen. Kinder haben nunmehr ausdrücklich - zumindest auf dem Papier - ein Recht auf gewaltfreie Erziehung; Gewalt soll als Mittel zur Lösung von Konflikten in der Erziehung geächtet werden.

Darüber hinaus tritt Wahlfreiheit bei der familiären Aufgabenverteilung an die Stelle der Zuweisung traditioneller, einseitiger Rollen für Mann und Frau. So sollen Väter stärker als bisher in die Erziehungsaufgaben eingebunden werden. Anstelle des Erziehungsurlaubs ist eine sog. "Elternzeit" getreten, die es Vätern und Müttern erstmals ermöglicht, gleichzeitig eine Auszeit vom Beruf zu nehmen und sich Freud und Leid in der Kindererziehung partnerschaftlich zu teilen. Unterstützt wurde die Akzeptanz der familienfreundlichen Gesetze durch bundesweite PR-Kampagnen für eine gewaltfreie Erziehung mit Slogans wie "Mehr Respekt vor Kindern" bzw. "Mehr Spielraum für Väter". Das Informationszentrum Sozialwissenschaften hat den Stand der Gewaltforschung mit diversen Veröffentlichungen regelmäßig zusammengestellt. Auf den Band "Gewalt - Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen aggressiven Verhaltens" aus dem Jahr 1986 folgte 1993 die Dokumentation "Gewalt in der Gesellschaft" und 1995 eine Publikation zum Thema "Jugend und Gewalt. Sozialwissenschaftliche Diskussion und Handlungsansätze". Seit 1999 gibt es in der Reihe "Gesellschaft im FOKUS der Sozialwissenschaften" die Dokumentation "Gewalt in der Schule" als pdf-Datei im Internet, seit September 2000 die Dokumentation "Gewalt im Namen Allahs. Islamischer Fundamentalismus zwischen Terrorismus & Religion". Der nun vorliegende Band setzt unter dem Aspekt "Gewalt in der Familie" die Berichterstattung über die Gewaltforschung fort. In Kapitel 1 geht es um theoretische Studien zu und Entstehungsbedingungen von Gewalt. Dabei spannt sich der Bogen von der aktuellen sozialpsychologischen bzw. soziologischen Forschung bis hin zu sozialhistorischen Studien der sexuellen Gewalt. Kapitel 2 beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der Gewaltprävention, soweit sie im sozialpädagogischen, therapeutischen, rechtlichen o.ä. Rahmen gesehen werden. Forschung und Literatur zu Gewalt im familialen System finden sich in Kapitel 3. Die Palette des Gewalterlebens in der Familie reicht dabei von Gewalttaten über Misshandlungen bis hin zum sexuellen Missbrauch. Gewalt in Ehe und Partnerschaft wird in Kapitel 4 behandelt. Dort finden sich neben Dokumenten zur Gewalt gegen Frauen auch einige wenige Berichte von Gewalttaten der Frauen gegenüber Männern. In Kapitel 5 werden Formen der Gewalt in der Eltern-Kind-Beziehung dargestellt. In diesem Abschnitt wird auch Gewalttätigkeit von Kindern gegenüber ihren Eltern dokumentiert. Kapitel 6 schließt die Darstellungen von Gewalt auf den verschiedenen Beziehungsebenen ab mit Interventionen von Seiten der Sozialarbeit, Jugendhilfe, Polizei sowie Hilfe und Schutz gewährenden Institutionen wie Beratungsstellen und Frauenhäusern. Alle Beschreibungen von Veröffentlichungen und Forschungsprojekten sind den IZ-Datenbanken SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem) und FORIS (Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften) entnommen. Einzelne Aspekte des Gewaltthemas haben in der sozialwissenschaftlichen Forschungslandschaft unterschiedliche Phasen wissenschaftlicher Konjunktur. So weisen die Datenbanken SOLIS und FORIS viel Material speziell über Gewalt gegen Frauen aus den 70er und 80er Jahren auf; daher wurden vereinzelt interessante Aspekte der Gewaltproblematik, die aus diesen frühen Jahren stammen, in die vorliegende Dokumentation aufgenommen, zumal auch die Anfänge der Frauenhausbewegung in den 70er Jahren liegen. Auf der anderen Seite tritt zutage, dass sich das gesellschaftliche Bewusstsein für die Notwendigkeit, gezielt Maßnahmen sowohl zur Prävention wie auch zur Intervention von Gewalt zu erforschen, erst ab den 90er Jahren voll entwickelt hat, da ein großer Teil der Literatur und der Forschungsprojekte aus dieser Zeitspanne stammt. 

 

Bonn, im Dezember 2001 Gisela Ross-Strajhar

    

(c) eheseelsorge.net, 2000-2008