Eheseelsorge.Net
Der optimistische Ansatz zur Ehe und Familie
Damit
Gutes bleibt 
[home] [Information] [Ehe] [Familie] [        ] [Verschiedenes] [Impressum]

[NEWS]

Eltern mit Erziehung überfordert

Die Zahl der Familien, die dabei von Jugendämtern Hilfe bekommen, steigt ständig. Die Behörden sehen sich als Reparaturbetrieb, der die Folgen gesellschaftlicher Schieflagen ausbügeln muss. Die hohe Scheidungsrate, fehlende Betreuungsangebote für Kinder und die hohe Arbeitslosigkeit machen Experten für die wachsenden Probleme in Familien verantwortlich.

Immer mehr Kinder sind verhaltensauffällig, in ihrer Entwicklung gestört oder tanzen ihren Eltern auf der Nase rum. Jugendämter, die über einen enormen Anstieg der Jugendhilfe-Ausgaben klagen, halten viele Familien bei der Erziehung für überfordert.

Angesichts dieser Entwicklung werden Vorschläge laut, bereits Kinder in der Schule auf Partnerschaft und Familiengründung vorzubereiten sowie eine Art Ehe-Führerschein einzuführen. Paare, die Kinder haben wollten, sollten nachweisen müssen, dass sie sich vorher in Beratungskursen intensiv mit der Familiengründung und damit verbundenen Belastungen auseinander gesetzt hätten, sagt der Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Karl Eyerkaufer (SPD), in Hanau, dessen Forderung auch schon heftig kritisiert wurde.

Er befürchtet ein «totales Wegbrechen der Erziehungskompetenz». Viele Eltern interessierten sich nicht einmal dafür, was ihre Kinder am Computer machten und welche Fernsehprogramme sie anschauten, sagt Eyerkaufer empört. Der Jugenddezernent hält die extrem hohe Scheidungsrate von 46,2 Prozent im Landkreis für ein Hauptübel, denn die meisten Problemkinder kämen aus zerbrochenen Familien. «Viele Eltern wollen nur sich selbst verwirklichen, und die Kinder bleiben auf der Strecke», schimpft er.

Aus seiner Sicht sollten bereits Schüler mit einem neuen Pflichtfach «Lebenskunde» auf Partnerschaft und Kindererziehung vorbereitet werden. Auch die Referentin bei der Arbeitsgemeinschaft für Erziehungshilfen in Hannover, Marion Dedekind, hält es für sinnvoll, Familienpsychologie im Schulunterricht einzuführen.

Bundesweit bekamen 31 200 Familien im Jahr 2000 zu Hause Unterstützung von der sozialpädagogischen Familienhilfe, 12 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Neuere Zahlen gibt es laut Statistischem Bundesamt noch nicht. Auch die Stellen für Erziehungsberatung haben einen immer größeren Zulauf. «Wir werden überrannt», sagt die Sprecherin der Kreisverwaltung Darmstadt-Dieburg, Doris Becker. Die Ausgaben des Kreises für die Jugendhilfe seien seit 1996 um 46 Prozent auf rund 41 Millionen Mark im Jahr 2001 «explodiert». Auch bundesweit klettern die Milliarden-Kosten trotz sinkender Kinderzahlen. In Hessen wurden 2000 bei einem steten Anstieg insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro für die Jugendhilfe ausgegeben.

Die wachsenden Probleme von Kindern und Jugendlichen sind aber nicht allein auf ein Versagen der Eltern bei der Erziehung zurückzuführen. Experte Christian Lüders, Abteilungsleiter beim Deutschen Jugend-Institut in München, sieht vor allem die Politik in der Verantwortung. «Die Jugendämter können nur die Probleme lösen, die andere übrig lassen» - wie Schulen und Kindergärten. Sie erzeugten Probleme, weil es keine ausreichenden Betreuungsangebote für Kinder am Nachmittag gebe, kritisiert Lüders. In Kindergärten fehlten außerdem qualifizierte Erzieherinnen, die Verhaltensauffälligkeiten rechtzeitig erkennen könnten. Auch die hohe Arbeitslosigkeit, fehlende berufliche Perspektiven für Jugendliche und die Berufstätigkeit allein Erziehender belasten Familien.

Dennoch sehen Jugendämter, die zunehmend eine Ersatz-Funktion für die Erziehung übernehmen, auch eine Tendenz, dass sich Eltern aus der Verantwortung stehlen. «Ich hab keinen Bock mehr, Jugendamt mach mal», sei eine Haltung von Eltern, sagt der Jugendamts-Leiter im Kreis Waldeck-Frankenberg, Hans Vaupel. Im Main-Kinzig-Kreis wollte eine allein erziehende Mutter in die USA auswandern, aber ihre schwangere, 15-jährige Tochter nicht mitnehmen, sondern der staatlichen Fürsorge überlassen. Der Kreis geht nun strafrechtlich gegen die Frau vor.

 

Quelle: dpa - Meldung vom 19.03.2002 
 

    

(c) eheseelsorge.net, 2000-2008