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Eltern und Lehrer im selben Boot 

Mancher Lehrer weiß ganz genau, wer an der Schulmisere schuld ist. Eltern, die die Erziehung ihrer Kinder aus Zeitmangel oder Unfähigkeit auf die Schule abwälzen. «Viele Kinder werden heute nicht mehr erzogen», stellt auch ZDF-Moderatorin Petra Gerster in ihrem Bestseller «Der Erziehungsnotstand» fest.

Unsicherheit in Erziehungsfragen, aber auch der Ehrgeiz, die Kleinen von Anfang an optimal zu fördern, lassen dem Buchhandel zufolge immer mehr Eltern zu Ratgebern greifen. Unterschiedliche Elterntrainings werden immer häufiger angeboten. Neben dem Klassiker "Familienkonferenz", haben sich Programme wie "Triple P" oder "Thop" etabliert. Praktische Unterstützung für Eltern und Lehrer  bietet neuerdings eine Elternschule. 

Von einem «Trend, die Kinder in der Schule abzugeben, und zu sagen: 'jetzt seht mal zu, was daraus wird!'», spricht auch der Direktor der Rüsselsheimer Alexander-von-Humboldt-Gesamtschule, Heinz Löffel. Er sieht Eltern und Lehrer jedoch im selben Boot und weiß, dass Schule «ganz ungeheuer profitiert, wenn die Kompetenz des Elternhaus gestärkt wird».

Bei einem Urlaub in Husum lernte Löffel die im Jahr 2000 vom Amt für Jugend und Familie gegründete Elternschule kennen und schätzen, nahm das Konzept mit nach Hause und konnte auf Anhieb fünf Lehrer aus seinem Kollegium dafür begeistern. Gemeinsam mit drei Grundschul- Kollegen aus der Groß-Gerauer Gemeinde lernten sie eine Woche von den Nordfriesen, bevor sie ihre eigene Elternschule aufmachten.

Gut 900 Mütter und Väter belegten bisher einen der Kurse «mit Selbsterfahrungscharakter» in Nordfriesland, sagt die Leiterin der Husumer Schule, Isgard Terheggen. «Anfangs wurden die Eltern sehr kritisch beäugt, mittlerweile gehört es fast zum guten Ton, die Elternschule besucht zu haben.» Rund ein Drittel stamme aus dem sozial-schwachen Milieu, das die Behörde eigentlich ansprechen will. Dem zweiten Drittel werden erst während der Kurse massive Probleme klar und das letzte Drittel eignet sich einfach zusätzliches Handwerkszeug an.

Das eigentliche Ziel der Elternschule, Geld zu sparen, wenn die Eltern gestärkt sind und nicht mehr so viele Kinder aus ihren Familien genommen werden müssen, sei erstmal in weite Ferne gerückt. Terheggen spricht sogar von einem «einen umgekehrten Effekt»: weil die Hemmschwelle sank, wenden sich viel mehr Eltern ans Jugendamt, an Erziehungsberatungsstellen oder fragen nach Familienhilfen.

Bei den Rüsselsheimer Eltern kam das Angebot bislang gut an. 24 Mütter und Väter belegten sofort einen der beiden Kurse, um in Erziehungsfragen dazu zu lernen. Ihre Sprösslinge sind 10 bis 16 Jahre alt - die Pubertät ein zentrales Thema. Acht bis zehn Abende sind pro Seminar vorgesehen, die Kosten mit rund 25 Euro niedrig. Eine Gruppe für marokkanische Eltern wird aufgebaut. Müttern und Vätern von 3- bis 10-Jährigen nehmen sich die Grundschullehrer an.

«Wie können Kinder Regeln lernen? Das ist das Problem, was Eltern und Schule heute haben», sagt Direktor Löffel. In der Elternschule tauschen sich Männer und Frauen im Gespräch miteinander aus, machen Rollenspiele und Collagen zu Themen wie Sucht, Sexualität oder den Wünschen ihres Nachwuchses. «Familienkonferenzen» sind ein Schwerpunkt. Bei diesen regelmäßigen Terminen können Kinder gleichberechtigt mitentscheiden, wenn es um Themen geht, die die ganze Familie betreffen. Als Beispiele nennt der pädagogische Leiter der Schule, Heiner Friedrich, Urlaub, Wochenendausflüge oder bestimmte Anschaffungen. «Aber Vorsicht, nicht alles zur Diskussion stellen und zerreden!», mahnt er. Eltern könnten ruhig sagen: «Das ist mit mir nicht zu machen.»

Eine 36 Jahre alte Mutter erzählt, wie mit der Familienkonferenz ein Konflikt für alle zufrieden stellend gelöst werden konnte: Ihre 11-jährige Tochter und ihr 13-jähriger Sohn boten von sich aus an, die Kosten für eine Glastür zu übernehmen, die sie zuvor bei einem Streit - trotz mehrfacher Mahnung - kaputt gemacht hatten. Dafür verzichteten sie nicht nur freiwillig eine Weile auf ihr Taschengeld, sondern auch auf eine teure Geburtstagsfeier. «Kinder sind oft konsequenter als Erwachsene. Bei Strafe gehen sie erstmal auf contra, aber nicht bei eigenen Vorschlägen», meint Friedrich.

«Die Gespräche in der Elternschule vermitteln Sicherheit», resümiert eine Teilnehmerin. «Beim Austausch mit Fremden merkt man, dass es anderen genauso geht und man zusammen eine Lösung finden kann», meint eine 46 Jahre alte Mutter zweier Söhne. Eine berufstätige Mutter hat gelernt, «dass man als Mutter auch Rechte hat, und die Kinder lernen müssen, andere zu akzeptieren».

 

Quelle: dpa - Meldung vom 19.03.2002 
 

    

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