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Die Kultur des Gebens und Nehmens

Studie über Frauennetzwerke

Was bei Männern seit langem in Seilschaften funktioniert, probieren Frauen seit kurzem in Frauennetzwerken: Die gegenseitige Unterstützung bei beruflichen, sozialen und politischen Anliegen - nicht zuletzt die Solidarität unter Gleichgesinnten. Das networking funktioniert aber nur dann, wenn die Beteiligten sich gegenseitig vertrauen und ihr Handeln im Geben und Nehmen aufeinander beziehen.

Petra Frerichs und Heike Wiemert vom ISO Institut zur Erforschung sozialer Chancen in Köln vermitteln in ihrer Studie "Ich gebe, damit Du gibst" einen Überblick über Frauennetzwerke in Deutschland (mittels quantitativer Analyse) wie einen tieferen Einblick in deren Praxisformen und Handlungsprinzipien (mittels qualitativer Analyse).

Am Beispiel der Kölner Region, in der sich die Vielfalt und Vielzahl an Frauennetzwerken in Nordrhein-Westfalen, aber auch anderen Großstädten in der Bundesrepublik abbildet, wird gezeigt, wie eine typische Frauennetzwerkszene heute aussieht: Ob Traditions- oder Berufsverband mit netzwerkförmiger Arbeitsweise, ob Migrantinnen-Netzwerk oder autonomes Frauenprojekt, ob die Netzwerke lesbischer Selbständiger oder von Frauen in Professionen - alle sind mit den Institutionen der kommunalen Frauenpolitik vernetzt, die die "Spinne im Netz" verkörpert. Insbesondere das Frauenamt betreibt selbst aktiv networking; es gründet und unterhält Netzwerke und macht sich damit auch die Vorteile von deren flexibler Organisations- und Arbeitsform zunutze. Wer mit wem sonst in Beziehung und Kontakt steht, ist eine Frage des Vertrauens und der Affinität.

Berufsbezogene und politische Frauennetzwerke verschaffen den Beteiligten eine Reihe von Vorteilen, die ihnen in ihrer beruflichen Situation nützlich sind: Erfahrungsaustausch, Beratung, Kontakte, Zugänge, Aufträge. Aufgrund des strategischen und nutzenorientierten Charakters dieser Praxisform nimmt es nicht Wunder, dass Solidarität in den untersuchten Frauennetzwerken nur ausnahmsweise vorgefunden wurde. Ein "Frauen-Soli-Projekt" hält der netzwerkspezifischen Dynamik von Inklusion und Exklusion nicht stand. Dass moderne Solidarität in Frauennetzwerken auch soziale Grenzen überbrückt - diese Annahme konnte nicht bestätigt werden. Gezeigt hat sich vielmehr der "Matthäus-Effekt", demzufolge diejenigen den größten Nutzen aus dem networking ziehen, die über die meisten Ressourcen verfügen. "Wer hat, dem wird gegeben", "Ich gebe, damit du gibst" und "Gleich und Gleich gesellt sich gern" - diese drei performativen Wendungen bringen zentrale Erfahrungen aus der Frauennetzwerkszene trefflich auf den Punkt.

Petra Frerichs und Heike Wiemert: "Ich gebe, damit Du gibst". Frauennetzwerke - strategisch, reziprok, exklusiv, Soziale Chancen, Bd. 2, Opladen: Leske + Budrich, 2002, ISBN 3-8100-3473-8, 200 S., 14.80 EURO

 

Quelle: ISO Institut zur Erforschung sozialer Chancen Köln, 08.04.2002
 

    

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