Eheseelsorge.Net
Der optimistische Ansatz zur Ehe und Familie
Damit
Gutes bleibt 
[home] [Information] [Ehe] [Familie] [        ] [Verschiedenes] [Impressum]

[NEWS]

 

Keine Angst vor Kindern! 

Ratgeber für Eltern werden gelesen wie nie zuvor. Ist das ein Zeichen für die Hilflosigkeit der Erziehenden? Geo.de analysiert, wie Kinder heute nach Forschermeinung erzogen werden sollten. Und stellt ein passendes Programm dafür vor: "Triple P", dessen Erfolg auf dem richtigen Maß von Lob und Strenge basiert.

Geht das: Kinder erziehen ohne Schimpfen, Schreien und Ausrasten? Ohne sich in eine "endlose" Kette von Konflikten zu verhaken, wie eine Mutter sagt? Gelassen gar und mit ruhigen Nerven? Wegen dieses Traums - oder ist es eine Schimäre? - sitzen sie hier beisammen, drei Elternpaare und zwei Mütter, in einer Altbauwohnung in Hamburg, und sie erlernen: positive Erziehung.

Der Normalzustand: verkorkste Nachmittage und Macho-Phasen Es ist die zweite Stunde, der Kurs nennt sich Triple P, "Positive Parenting Program", und zunächst einmal schildern die Teilnehmer ihren täglichen Frust, diese nagende Hilflosigkeit. Eine Mutter berichtet von dem "völlig verkorksten Nachmittag" heute, als wieder alles schief ging. Mia wollte einfach nicht aufräumen, "ich habe sie angebrüllt, sie war wütend und quengelig, und ich wusste überhaupt nicht mehr, wie ich da herauskomme".

Eine andere berichtet von ihrem Sohn, der eine Macho-Phase durchmacht. "Im Auto schnauzt der mich an, ob ich nicht endlich mal abbiegen wolle. Zu Hause schimpft er, warum das Essen noch nicht fertig sei - und das von einem Sechsjährigen!" Sie müsse sich so zusammenreißen, ihm nicht "dauernd eine zu scheuern: Ich bin nur noch auf 180." Aber was, fragt sie schüchtern, könne sie stattdessen tun?

Erste Erfolge mit der neuen Methode Andere melden Erfolge. Ein Vater hat sich, angeregt vom Triple-P-Lernziel, "klare, ruhige Anweisungen" zu geben, davon verabschiedet, seine dreijährige Tochter vorzugsweise in Frageform anzusprechen: Möchtest du essen, willst du dein Zimmer aufräumen, wollen wir ins Bett gehen? "Anna sagte immer nur 'nö', und ich musste auf sie einreden, was immer in Streit endete." Dem Vater fiel es nicht leicht, sich umzustellen auf eine deutliche Ansprache an seine Tochter, weil er das Fragen als "irgendwie demokratischer, nicht so autoritär" empfand. Doch jetzt, erzählt er, funktioniere es tatsächlich besser. "Eigentlich ganz einfach."

Eine Mutter hat "positive Bestärkung" erprobt. Eine Woche lang hat sie ganz gezielt nach Möglichkeiten gesucht, ihren Sohn zu loben - auch für das, was sonst nie Beachtung findet, etwa wenn er ganz ruhig im Kinderzimmer spielt oder "ohne Manschen" isst. "Es war unglaublich, wie Paul vom Lob regelrecht in Begeisterung geriet - und wie positiv ich plötzlich war." Sie hat eine Liste geführt, wie oft es noch zum Streit gekommen ist. Die Kurve zeigt deutlich nach unten.

Dann legt die Trainerin eine neue Folie auf den Projektor. Sitzung Nr. 2: "Förderung der kindlichen Entwicklung" und "Strategien für eine positive Beziehung zum Kind". Die schwierige Kunst des Erziehens - als Strichliste. Die Teilnehmer zücken Block und Bleistift.

Triple P- Die goldene Lösung? Kann man es so lernen? Oder ist Triple P nur die jüngste von immer neuen Moden auf dem Erziehungsmarkt? Nur ein weiteres flott formuliertes pädagogisches Konzept, das in ein paar Jahren vom nächsten Trend abgelöst und bald darauf vergessen sein wird? Nicht zu erwarten. Denn was so trügerisch einfach daher kommt, beruht nicht auf den Eingebungen eines selbst ernannten Therapeuten oder Erziehungsberaters, sondern ist einer der wenigen Elternkurse, deren Erfolg wissenschaftlich belegt ist. Dass Triple P anders ist, lässt sich etwa daran erkennen, dass die Trainerin einen Teil der Sitzung per Videokamera aufzeichnet; die Bänder werden später von Wissenschaftlern ausgewertet. Auch müssen sich Kursleiter alle zwei Jahre neu lizenzieren lassen, um das Unterrichtsniveau zu garantieren. Und: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert derzeit eine Wirksamkeitsstudie, weil sie das Training für sehr Erfolg versprechend hält.

Gute Erziehung ist erlernbar Die Grundlagen zu dem Elterntraining wurden in den USA und Australien gelegt, wo man sich seit längerem ganz pragmatisch der Frage widmet: Was können Mütter und Väter besser machen? Antworten gibt es viele, aber erst jetzt verheißen neue, methodisch solide Studien sichere Erkenntnisse darüber, ob und wie Eltern auf ihre Kinder einwirken. Die Daten sind überraschend eindeutig: Eltern haben, anders als vor allem Verhaltensgenetiker in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder behauptet haben, einen enormen Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder. Es lässt sich darüber hinaus ziemlich genau bestimmen, worin eine gute, eine effektive Erziehung besteht. Und: Eltern können diese effektive Erziehung erlernen.

Gegen Gene anerziehen? Aber zunächst mussten Entwicklungspsychologen erst einmal einen Verdacht aus der Welt räumen: die Vermutung nämlich, dass Eltern vollkommen unwichtig seien im Leben ihrer Kinder. Seit rund einer Dekade behaupten Verhaltensgenetiker verstärkt, nicht die Eltern sondern die Gene seien in den Kinderzimmern die entscheidenden Faktoren. Gegen die Macht der Vererbung könne kein noch so pädagogisch versierter Vater, keine noch so einfühlsame Mutter anerziehen.

Neue Untersuchungen differenzieren das Bild Extremer können Positionen nicht sein: Hier Verhaltensgenetiker, die behaupten, Eltern sind überflüssig. Dort Entwicklungspsychologen, die sagen: Eltern sind entscheidend im kindlichen Leben, und wir wissen sogar, wie sie besonders gut erziehen können. Was gilt? Die Genetiker stützen sich vor allem auf Adoptions- und Zwillingsstudien aus den achtziger Jahren, nach denen Erbanlagen den Menschen mehr prägen als Umwelteinwirkung. Inzwischen aber liegen neue Untersuchungen vor, die den Einfluss der Familie rehabilitieren.

Erziehung kann Gen-Risiken mindern Finnische Forscher etwa haben Adoptionskinder untersucht, deren Eltern an Schizophrenie leiden - einer Krankheit, die zu einem erheblichen Teil als vererbbar gilt. Wie häufig sie ausbrach, hing allerdings vom Umfeld, also den Adoptionsfamilien, ab. Wuchsen Kinder mit Schizophrenie-Gen in harmonischen Familien auf, erkrankten sie nicht häufiger als Kinder ohne jede Vorbelastung. Nur Adoptierte in dysfunktionalen Familien litten genau so häufig unter der Krankheit, wie es das Gen-Risiko vermuten ließ.

Ein ähnliches Bild zeigte eine französische Studie am Beispiel der - ebenfalls hochgradig vererblichen - Intelligenz. In der Kindheit missbrauchte und vernachlässigte Adoptivkinder konnten in harmonischen, wohlhabenden Familien ihren IQ um 19 Punkte steigern - weit mehr als Adoptivkinder in dysfunktionalen Familien.

Ein Schutzschild gegen schädliche Einflüsse Gene sind demnach kein Schicksal. Zwar bestreiten auch Sozialisationsforscher nicht mehr, dass Erbanlagen einen erheblichen Einfluss auf die Kindesentwicklung ausüben - Gene prädisponieren beispielsweise in unterschiedlichem Ausmaß die Fähigkeiten und die Fertigkeiten von Kindern, ihre Probleme und Talente. Aber all diese genetische Risiken und Chancen wirken sich meist erst unter entsprechenden Erziehungsbedingungen aus.

Anders gesagt: Volles elterliches Engagement wirkt im besten Falle wie ein Schutzschild gegen Risiken aller Art, nicht nur gegen genetische Armut, heruntergekommene Nachbarschaft, psychische Probleme, Ehestress, Arbeitslosigkeit, schlechten Einfluss von Gleichaltrigen - solche Risikofaktoren können die Kindesentwicklung nachhaltig beeinträchtigen, aber sie werden durch elterliche Erziehung "mediatisiert", wie es unter Wissenschaftlern heißt: abgemildert oder verstärkt.

"Oregon-Scheidungsstudie": exzellenter Ruf schon vor Veröffentlichung Den wohl beeindruckendsten Beweis elterlicher Bedeutung hat Marion Forgatch, eine Wissenschaftlerin am "Social Learning Center" in Eugene, im US-Bundesstaat Oregon, unternommen. Ihre "experimentelle Interventionsstudie" funktioniert im Prinzip wie ein Medikamententest: Forscher verabreichen einer Gruppe von Eltern eine "Medizin", in diesem Fall ein systematisches Elterntraining, das ihre Erziehungskompetenz verbessern soll. Anschließend beobachten sie, ob sich das Verhalten ihrer Kinder ändert im Vergleich zu Kindern, deren Eltern kein Training erhalten haben. Nur so lässt sich die alles entscheidende Frage beantworten, ob Eltern einen kausalen Einfluss auf ihre Kinder haben. Rund zehn Jahre brauchten die Wissenschaftler, ehe sie vor kurzem die ersten Ergebnisse vorlegen konnten. Viele sind so frisch, dass sie noch nicht wissenschaftlich publiziert wurden. Doch schon jetzt loben selbst Verhaltensgenetiker diese Studie als "exzellent". Nie zuvor habe es einen derartigen Test der "Erziehungshypothese" gegeben.

Die Probanden: verzweifelte Alleinerziehende Für ihre "Oregon-Scheidungsstudie" rekrutierte Forgatch 238 Mütter, eine für solche Untersuchungen große Zahl von Probanden. Sie stammten aus allen Schichten und Altersklassen und hatten nur dreierlei gemein: Sie waren seit kurzem geschieden, lebten ohne Partner und hatten mindestens einen Sohn zwischen sechs und zehn Jahren. Es handelte sich um verzweifelte Frauen, von denen viele in erdrückender Armut lebten. Die meisten hatten über den Trennungszwist die Erziehung vernachlässigt, etliche Jungen zeigten bereits Verhaltensauffälligkeiten: Sie gehorchten selten und schlugen sich häufig.

Die Mütter wurden per Zufallsverfahren auf zwei Gruppen verteilt: Die einen, in der so genannten Interventionsgruppe, erhielten dreieinhalb Monate lang jeweils rund eine Stunde pro Woche ein Elterntraining. Sie erlernten effektivere Erziehungstechniken, übten in Rollenspielen, wie sie Konflikte mit ihren Söhnen ohne Streit austragen oder wie sie die Jungen motivieren konnten. Den anderen Müttern in der Kontrollgruppe sagte man, sie stünden auf einer Warteliste; also blieben sie zu Hause und machten weiter wie bisher.

Überraschend deutliche Verbesserung der Gesamtsituation Zweieinhalb Jahre später ließen die Ergebnisse keinen Zweifel: Den Söhnen der trainierten Mütter ging es in allen Belangen besser. Im Vergleich zu den Kindern der Kontrollgruppe waren sie weit weniger aggressiv, verübten weniger Straftaten, waren seltener depressiv, trieben sich seltener mit anderen Problemkindern herum, gehorchten eher, sogar ihre Lesefähigkeit hatte sich verbessert. Auch die Lehrer bewerteten diese Kinder als positiv verändert - was bemerkenswert war, weil die Lehrer nicht wussten, wessen Mütter trainiert worden waren.

Auch die Frauen hatten von dem kurzen Training profitiert. Sie litten seltener unter Depressionen, ihr Jahreseinkommen lag nun - ein verblüffendes Ergebnis - im Schnitt um 2000 Dollar höher als das der untrainierten Mütter, und sie hatten ihre neuen Partner viel seltener gewechselt, hatten also entscheidende Risiko-faktoren ihres Lebens reduziert. Nicht nur traten sie ihren Söhnen gegenüber entschiedener auf, sie gewannen allgemein an Lebenskompetenz.

Wie Fahrstühle in unterschiedliche Richtungen Die Kontrollgruppe hatte sich dagegen bei allen Indikatoren verschlechtert: Mütter und Söhne waren aggressiver, depressiver, sie stritten sich noch häufiger, und die Kinder gehorchten noch widerwilliger als zu Beginn der Studie. Sie steckten in der typischen Abwärtsspirale dysfunktionaler Familien.

"Ich war extrem überrascht", sagt Marion Forgatch, "dass ein so kurzes Training einen so großen Unterschied bewirkt." Besonders erstaunlich ist, dass sich Interventions- und Kontrollgruppe umso ausgeprägter auseinander entwickelten, je länger das Training zurücklag; als wären sie in Fahrstühle mit verschiedenen Richtungen gestiegen, die eine nach unten, die andere nach oben.

"Positive Parenting Program" - seine Wirksamkeit ist belegt Elternschulungen wie diese beruhen überwiegend auf einem verhaltenstherapeutischen Ansatz. Sie suchen nicht - wie die so genannten kognitiven Therapien - die Persönlichkeit der Eltern und Kinder zu ergründen, und sie unternehmen auch keine langwierigen Gesprächstherapien. Sie gehen davon aus, dass Eltern sich meist ungewollt falsches Verhalten angewöhnt haben: einen ineffektiven Umgang mit ihren Kindern, den es zu korrigieren gilt.

Der große Vorteil dieses Ansatzes: Es ist belegt, dass er wirksam ist. Eltern können ihr Verhalten ändern, die Kinder können davon profitieren. Bei kaum einer anderen Therapieform wurde ein Erfolg so deutlich nachgewiesen.

Die Suche nach den richtigen Prinzipien Sie beruht in großem Maße auf den Forschungen eines Mannes: Gerald Patterson. Der 75-Jährige arbeitet wie Marion Forgatch am Oregon Social Learning Center und ist einer der meistzitierten Erziehungsforscher. Die Frage, mit der er sich seit Jahrzehnten beschäftigt: Was genau läuft in Familien ab, deren Kinder verhaltensauffällig sind? Daraus konnte er praktische Erziehungstipps für Eltern destillieren. Vor etwa 40 Jahren hat er begonnen, mit "schwierigen", kriminellen Jungen zu arbeiten. Er stellte rasch fest, dass die Jugendlichen vor allem ein Problem hatten: Sie hatten offenbar grundlegende soziale Verhaltensweisen niemals erlernt. Aus der Suche nach den richtigen Erziehungsprinzipien wurde so die konkrete Frage: Wie lernen Kinder, wie lehren Eltern?

Der Hauptfehler: Kinder auf Agression trainieren Minutiöse Beobachtungen in dysfunktionalen Familien brachten die Antwort: Eltern von auffälligen Kindern sind ineffektiv, weil sie ungewollt genau das Verhalten fördern, das sie eigentlich zu verhindern suchen. Sie geben falsche Verhaltensanreize und unterwandern ihre eigenen guten Absichten. Sie wissen im wahrsten Sinne nicht, was sie tun und was sie beim Kind bewirken.

Der Hauptfehler: Statt erwünschtes Kinderverhalten zu fördern, bemühen sie sich, unerwünschtes auszutreiben - durch Drohungen, durch Schimpfen, Schreien, Schlagen. Das kann nicht funktionieren, weil Kinder, weil Menschen so nicht lernen. Familien verstricken sich dabei in "coercion", in Zwangsverhalten: Ihre Mitglieder versuchen einander nicht durch Belohung und Aufmerksamkeit zu beeinflussen, sondern durch Bestrafung und Demütigung. Kinder werden so regelrecht auf Aggression trainiert.

Gehorsam als Kernfähigkeit Dass Aggression für Kinder tatsächlich zum Erfolg führt, wies Patterson anhand von Interaktions-Analysen nach. Er wertete aus, wie oft Kinder ihre Eltern davon abbringen, sie weiter mit einem Anliegen zu "behelligen". In kooperativen Familien erreichen sie es in rund 80 Prozent der Fälle - durch Gehorsam: Sie erledigen, was ihnen aufgetragen wird. In Zwangs-Familien erzielen Kinder die gleiche Quote - aber durch Wutanfälle, Trotzattacken, zuweilen durch Zurückschlagen: Sie schaffen es, ihre Eltern zur Aufgabe zu zwingen. "Jedes Mal, wenn ich mit ihm streite, weiß mein Sohn, dass er gewonnen hat", sagt ein frustrierter Vater.

Gehorsam und Aggression sind gleichsam alternative Strategien von Kindern. Auf welche die Kleinen - unbewusst - zurückgreifen, hängt entscheidend vom Verhalten der Eltern ab. Für Patterson ist mangelnde Folgsamkeit der entscheidende Indikator dafür, ob in Familien etwas schief läuft. "Gehorsam ist die Kernfähigkeit, die ein Kind erlernen muss. Folgt ein Zweijähriger nicht, hat das dramatische Auswirkungen: Er wird notwendiges Sozialverhalten erst sehr viel später erlernen." Arretierte Entwicklung heißt dieses Phänomen, das vor allem Schulen belastet: Siebenjährige, die sich wie Kleinkinder benehmen.

Die hohe Kunst der Nichtverstärkung Nach Pattersons Ansatz reduziert sich Erziehung auf einen schmucklosen, nüchternen Kern. Er lautet: Effektive Erziehung ist der richtige Umgang mit Verhaltensverstärkungen. Wer von Kindern ein bestimmtes Benehmen erwartet, muss es positiv bekräftigen durch Lob, Belohnungen, Aufmerksamkeit. Und unerwünschtes Betragen sollte so wenig wie möglich verstärkt werden - das ist der schwierige Part. Die üblichen elterlichen Sanktionen wie Drohen und Schimpfen sind riskant, weil auch sie bestärken und allzu leicht in den Zwang führen. Die hohe Kunst der Nicht-Verstärkung erfordert besondere Techniken wie "absichtliches Ignorieren" oder "Stiller Stuhl", die im Elterntraining gelehrt werden.

Bewusstheit, Gegenseitigkeit, Konsequenz und positive Unterstützung - viele Mütter und Väter folgen intuitiv diesen Prinzipien. Doch auch in diesem Normalbereich mühen sich die meisten Eltern damit, die verschiedenen Erziehungsanteile auszubalancieren: Soll ich liebevoller oder strenger sein, das Kind eher führen oder es ausprobieren lassen, eng überwachen oder die lange Leine geben?

Autoritativ - ein fürchterliches Wort für ein wunderbares Konzept Eltern "prosozialer" Kinder unterscheiden sich von anderen nicht dadurch, dass sie liebevoller oder strenger oder motivierender sind. Sie erziehen anders, weil sie all dies gleichzeitig sind: zugeneigter und strikter und fördernder. Sie wirken als Maximalisten, sie machen weniger Kompromisse und verstehen es, die drei entscheidenden Dimensionen der Erziehung miteinander zu vereinen: Sie schenken viel Liebe; sie setzen klare Regeln und bestehen konsequent auf deren Einhaltung; und sie fördern die Persönlichkeit, die Kreativität ihres Kindes.

Man hat diesen Stil "autoritativ" genannt - "ein fürchterliches Wort für ein wunderbares Konzept", sagt Laurence Steinberg von der Temple University in Philadelphia, einer der führenden Experten auf dem Gebiet. Der Stil umfasst ein ganzes Bündel von Tugenden. Zu ihnen zählen: Warm-herzigkeit, Aufmerksamkeit, Gespür für den jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes, aber auch so praktische Dinge wie monitoring - also das Wissen darum, was ein Kind anstellt, wenn es nicht zu Hause ist, wie seine Freunde heißen, wo es nach der Schule spielt. Das ist keineswegs selbstverständlich, manche Eltern nehmen kaum Anteil am außerfamiliären Leben ihrer Kinder.

Autoritativ erzogene Kinder sind lebenstüchtiger Autoritative Mütter und Väter sind keine Übereltern. Sie reden viel und ermuntern zum Reden. Sie unterscheiden streng zwischen Verhalten und Persönlichkeit, nie beantworten sie schlechtes Benehmen mit Angriffen auf die Person: "Du Trottel, du Versager" gehört nicht in ihren Wortschatz. Zugleich verlangen sie von ihren Kindern ein hohes Maß an Kooperation und angemessenen sozialen Umgangsformen.

Es ist offenbar diese Mischung aus Anspruch und Anteilnahme, die autoritativ erzogene Kinder lebenstüchtiger macht. Sie verfügen meist über größeres Selbstbewusstsein, sind seltener depressiv, ängstlich oder aggressiv, sie absolvieren die Schule meist ohne Probleme und konsumieren weniger Drogen. "Meines Erachtens gibt es keine einzige Studie weltweit, die ergeben hätte, dass ein anderer Erziehungsstil effektiver ist als der autoritative", meint Laurence Steinberg. Und er zieht daraus den kühnen Schluss: "Wir wissen damit, welche Form von Erziehung Kinder am besten fördert."

Eltern und Kindern kann geholfen werden! Auch Triple P hat sich diesem Ziel verschrieben, die acht Hamburger Eltern streben ihn an. Die "Prinzipien des Positive Parenting Program sind so einfach, dass sie jeder Fünfjährige verstehen kann", sagt Professor Kurt Hahlweg von der TU Braunschweig, der deutsche Initiator des Programms. Was beabsichtigt ist: Schließlich sind Kinder auch die Zielgruppe der Eltern.

Rund 70 Prozent der Eltern verändern nach einem guten Training dauerhaft ihr Verhalten. Forscher halten die Wirksamkeit von Elternausbildung für inzwischen so hinreichend belegt, dass sie vorschlagen, in Zukunft solche Kurse bereits an Schulen anzubieten, spätestens aber werdenden Eltern während der Schwangerschaft. Das könnte langfristig Verhaltensstörungen, Kriminalität und Schulproblemen vorbeugen.

"Wir wissen nicht alles über Erziehung", sagt Gerald Patterson, "aber wir wissen genug, um Eltern und Kindern zu helfen - und damit der Gesellschaft."

 

Quelle: GEO MAGAZIN Nr.4/2002: Erziehung: Keine Angst vor Kindern!
 

    

(c) eheseelsorge.net, 2000-2008