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In vier Schritten zum Erziehungs-Erfolg

Der erste Schritt jeder Erziehungs-Veränderung lautet: beobachten und zählen. Ganz konkret: Was tut mein Kind tatsächlich, welches (un)erwünschte Verhalten legt es an den Tag - und wie oft? Gerade in Familien bleibt vieles schwammig: "Irgendwie ärgert die mich nur, irgendwie streitet der immer."

Beobachten und zählen ist ein Wirklichkeitstest, der Eltern zu erfassen zwingt, was ihr Kind tatsächlich tut. Der Aha-Effekt, der dabei üblicherweise eintritt, verrät, wie sehr ein ungeprüfter Eindruck täuschen kann. Zudem gehört zum Beobachten auch die Selbstbeobachtung. "Ich habe mich durch die Übung gefragt: Was ist eigentlich meine Beziehung zu meinem Kind?", erzählt eine Mutter. "Und festgestellt, dass es viel mehr schöne Momente zwischen uns gibt, als ich gedacht hatte."

Der zweite Schritt ist stets: Verhalten benennen, das die Kinder verändern sollen. Familienregeln aufstellen. Und wieder: ganz konkret. Nicht: Paul soll sich anständig benehmen. Sondern: Er soll aufhören, seine Schwester zu kneifen. Schon bei diesem Schritt verdampfen viele Probleme, entschärft sich die Konfliktfront. Ist das Verhalten wirklich so schlimm, dass ich es ändern möchte; und mit welcher Begründung?

Der Veränderung dienen viele Strategien, vom "beiläufigen Lernen" bis zur "Fragen-Sagen-Tun-Methode". Aber es gehört dazu beispielsweise auch eine effektive Art, Kinder anzusprechen. Das geht so: auf Augenhöhe mit dem Kind, wofür man sich hinknien sollte; im Abstand von etwa einer Armeslänge, weil Kinder sich sonst nicht angesprochen fühlen; in klaren Worten und ganz ruhig.

Eltern, die diese scheinbar banale Technik zum erstenmal ausprobieren, nachdem sie sonst ihre Wünsche im Vorbeigehen irgendwie Richtung Kind adressiert hatten, berichten von regelrechten Erweckungserlebnissen. Eine Mutter schwärmt: "Es funktioniert sensationell! Und es ist so einfach. Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen?"

Viele Empfehlungen in Elternkursen wirken irritierend simpel. Das ist gewollt. Je einfacher, desto leichter lassen sie sich umsetzen. Viele Eltern wundern sich, wo eigentlich das Problem liege, wenn Erziehung sich auf so einfache Prinzipien reduzieren lässt. Die Antwort: in der Praxis. "Die neuen Erkenntnisse immer wieder umzusetzen, und zwar täglich in vielen unterschiedlichen Situationen, ohne in alte Routinen zurückzufallen - das ist das Schwierigste", sagt die Hamburger Triple-P-Trainerin Gabriele Steentjes.

Der dritte Schritt: das Kind loben, belohnen. Gewünschtes Verhalten fördern, nicht überschwenglich, aber konsequent. Das ist erstaunlich schwer, hat "Triple-P-Trainer" Kurt Hahlweg beobachtet: "Es ist überraschend, wie selten Eltern mit positiver Bestärkung arbeiten." Die meisten Eltern haben zwar kein Problem, ihre Kinder zu belohnen. Doch sie tun es selten bewusst ein und meist nur bei besonderen Anlässen.

Das Ziel von Triple P dagegen: Zwangsprozesse in Belohnungssysteme zu verwandeln. Manche Eltern müssen Zuspruch regelrecht üben. In einem Rollenspiel in einer anderen Gruppe sollte ein Vater seinem Sohn ein Lob zollen; er dachte einige Momente nach und bellte dann heraus: "Schön, dass du endlich mal tust, was ich dir dauernd sage." Da wird verständlich, warum zum Training auch konkrete Formulierübungen für "beschreibendes Lob" gehören.

Besonders heikel ist der vierte Schritt: Strategien im Umgang mit Problemverhalten. Darunter auch solche, die oft entschiedenen Widerstand hervorrufen. Etwa der Vorschlag, auf Drohungen zu verzichten. "Wenn... dann..."-Sätze sind vermutlich die beliebtesten im Kinderzimmer, Strafverheißung ist Mamis letzte Waffe - die fast immer in Geschrei endet. Triple P empfiehlt stattdessen "logische Konsequenzen" - weil Kinder nicht durch Worte lernen.

Max will morgens nicht die Hose anziehen? Gut, dann geht er im Schlafanzug in den Kindergarten. Paula und Franziska streiten sich lauthals, welcher Videofilm laufen soll - also bleibt der Fernsehapparat eine Viertelstunde lang aus. Nicht reden, handeln. Der Vorteil für Eltern ist: Sie können ganz ruhig bleiben. Doch gerade das fällt vielen schwer, weil sie sich in diesen Situationen gewissermaßen selbst abschaffen: Nicht sie, sondern die Konsequenzen sprechen. Das erleben Eltern in Zeiten, in denen "Reden" als höchste Erziehungstugend gilt, als narzisstische Kränkung.

Noch umstrittener sind nur noch "Stiller Stuhl" und "Auszeit". Sie bilden die äußersten Mittel der positiven Erziehung: Kinder, die sich partout nicht beruhigen, müssen je nach Alter für zwei bis zehn Minuten in eine Ruhezone, zum Abkühlen. Diese "Strafe" soll Brüllen und Schlagen ersetzen. Aber viele der Eltern empfinden sie nur als Variante von "ab in den Kohlenkeller". Doch um die Auszeit haben die Forscher ein ganzes Kompendium von Empfehlungen gebaut, um sie auf ihren Kern zu fokussieren: die Vermeidung von Verstärkung.

 

Kleines Kompendium elterlicher Zwangstypen

Wer seine Kinder ändern will, muß häufig erstmal sich selbst kritisch unter die Lupe nehmen. Erkennen Sie sich in den nachfolgenden Charakteren wieder? Hoffentlich nicht!

Da sind die "überschwenglichen Lober". 
Susanne Kaspar* gehört zu diesem Typus. Ihr dreijähriger Sohn Moritz hat seiner Schwester ein Kuchenstück geklaut. Die Mutter fährt dazwischen, will ihm das Stück entwinden; dann hat sie Bedenken, zu autoritär zu wirken, und lobt ihn rasch dafür, dass er den Kuchen so geschickt geklaut hat, dass dieser nicht einmal heruntergefallen ist. Moritz beißt herzhaft zu, er hat gelernt: Er muss nur raffiniert genug sein, dann kommt er mit vielem durch.

Da sind die "gleichgültig Liebenden". 
Sie umarmen ihr Kind, sie streicheln es, sie lieben es über alles - auch wenn es sich völlig daneben benimmt. Solche Eltern sind besonders überrascht, wenn ihr Kind aus dem Ruder läuft; doch die Schwelle für Aufsässigkeit liegt sogar besonders niedrig, weil die Eltern kaum Grenzen setzen: "Das Problem dabei ist nicht ein Übermaß an Liebe", kommentiert der Erziehungsforscher Gerald Patterson, "sondern die Verstärkung für unrichtiges Verhalten."

Da sind die "Sphinx-Eltern". 
Aus Angst, ihr Kind zu verzärteln, loben oder belohnen sie es so selten wie möglich. Gisela Meinhardt* hat in einem Vertrag detailliert festgelegt, welche Aufgaben ihr "schwieriger" zehnjähriger Sohn im Haushalt erledigen muss. Erfüllt er alle Pflichten, verkneift sie sich jede Anerkennung, denn: "Regeln sind dazu da, eingehalten zu werden, dafür darf es keine Belohnung geben." Sie missachtet das oberste Gebot der Lerntheorie: Man lernt vor allem durch Belohnung, durch positive Verstärkung.

Da sind die "Förderer der Hilflosigkeit". 
Sie treten oft im Team auf. Eva Kleine* macht alles für ihren siebenjährigen Sohn Luka. Er kann sich ohne ihre Hilfe morgens nicht anziehen - Luka hat sie durch etliche Wutanfälle erzogen, ihm alles abzunehmen. Die Mutter wiederum hat ihn durch ihr Entgegenkommen auf Hilflosigkeit trainiert. Der Vater rastet regelmäßig aus, wenn er seinen hilflosen Sohn sieht, nennt ihn einen "Versager" - allmorgendlich liegt der Familienfrieden in Scherben.

Schließlich sind da noch die "eisernen Bestrafer". 
Sie glauben, Kinder würden nur durch Bestrafen lernen, manchmal auch nur durch Schmerz. Diese Taktik aber hat einen hohen Preis: Wer straft, wird selber bestraft. Auszählungen von Familienkonflikten ergaben, dass Kinder auf jene Elternteile, die am häufigsten strafen, am häufigsten durch Verweigerung, Aggression oder Wutanfälle reagieren. Mütter, die viel brüllen, haben Kinder, die das Gleiche tun, Väter, die demütigen, werden gedemütigt.

 

 

    

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