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Karrieremotivation von Männern und Frauen

Frauen sind eher bereit, ihrem Partner zuliebe auf eine große berufliche Karriere zu verzichten als Männer. Bei einer Umfrage des Internet-Portals «jobpilot.de» gab fast die Hälfte der befragten Frauen an, sie könne sich vorstellen, ihren Partner bei dessen Werdegang zu unterstützen und dafür selbst beruflich zurückzustecken. Dies berichtete dpa am 08.07.2002.

Von den männlichen Befragten erklärten sich dazu nur 16 Prozent bereit. 63 Prozent der Frauen sahen es außerdem als selbstverständlich an, für ihren Partner in eine andere Stadt zu ziehen, falls es dessen berufliche Entwicklung nötig mache. Bei den Männern gaben lediglich 18 Prozent an, sie würden dies tun. Für die Umfrage waren den Angaben zufolge insgesamt 1098 Menschen befragt worden.

Diese Ergebnisse stehen im Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Karrieremotivation von Männern und Frauen 

Bereits seit einigen Jahren haben sich Unterschiede in Bildungs- und Ausbildungsniveau von Frauen und Männern nivelliert und die Frauenerwerbstätigkeit hat in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Einen besonderen Zuwachs gab es bei den jungen Müttern – was dafür spricht, dass sich das so genannte 3- Phasen-Modell der weiblichen Berufstätigkeit zunehmend auflöst. Jedoch wird der Zuwachs bei der Erwerbstätigkeit von Frauen zu einem großen Anteil durch Teilzeitbeschäftigungen erreicht, die sich meist durch ein geringes Qualifikationspotenzial und mangelnde Aufstiegschancen auszeichnen (Radke, Störmann & Ziegler, 1998). Über 30 Jahre Bildungsreform haben nicht dazu geführt, dass Frauen in den oberen Etagen der Führungskräfte reüssieren konnten: So listet das Hoppenstedt-Verzeichnis „Leitende Männer und Frauen der Wirtschaft“ unter 58.000 Führungspersonen nur 5000 Frauen auf (Schulte-Florian, 1999); insgesamt ist festzustellen, dass die Präsenz von Frauen mit jeder Hierarchiestufe abnimmt.

Es gibt eine Reihe von Gründen, die traditionellerweise angeführt werden, um dieses Phänomen zu erklären. Zunächst sind da externe Faktoren zu nennen: ein traditionelles Familienleitbild, das der Mutter die primäre Verantwortlichkeit für Kinder und Familie zuspricht, ein dazu passendes Steuergesetzsystem, welches das Ernährer-Ehemann-Modell fördert, sowie eine mangelnde Verbreitung von Kinderbetreuungseinrichtungen, insbesondere für Kleinstkinder. Aber auch intrapersonale Faktoren spielen ihre Rolle und verhindern quasi als „innere Barrieren“ das Weiterkommen auf der Karriereleiter. Diese inneren Barrieren stellen verinnerlichte gesellschaftliche Erwartungen dar und dienen der Kompromissbildung zwischen äußeren Anforderungen und inneren Bedürfnissen. Aufgebaut werden sie durch Sozialisationserfahrungen im Elternhaus, der Schule etc. Sie sind erkennbar als mangelndes berufliches Selbstvertrauen, als Akzeptieren von traditioneller geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung und der Erwartung von Unvereinbarkeit von Karriere und Familie (Sieverding, 1990).

Untersuchungen zeigen, dass Frauen bereits bei der Berufswahl die Vereinbarkeitsproblematik vorhersehen und deshalb ihre eigenen beruflichen Ziele und Entwicklungsmöglichkeiten im Dienste der Familie zurückstellen (Seidenspinner et al., 1996). Betz (1993) stellte fest, dass Ausbildungsunterschiede und Karriereerfolg bei Männern durch individuelle Fähigkeitsunterschiede, Motivation und Fachprestige am besten vorhergesagt werden können, bei Frauen ist es jedoch das Ausmaß, in dem sie ihre Priorität auf Familie oder Beruf legen.

Unser vom Sozialministerium Baden-Württemberg gefördertes Projekt: „Karrieremotivation und familiale Orientierung von Frauen und Männern“ verfolgt verschiedene Ziele:

Feststellung des Status quo – wie sehen die beruflichen und familiären Ziele und Erwartungen von heutigen Studentinnen und Studenten aus? – und Analyse der Gründe, warum Frauen immer noch hinter ihren eigenen beruflichen Vorstellungen zurückbleiben. Ein Schwerpunkt der Studie liegt dabei auf den o. a. inneren Barrieren, die Frauen zu überwinden haben, ein anderer auf der Feststellung eventueller Veränderungen der Einstellungen im Ausbildungsverlauf. Im Folgenden stellen wir einige Ergebnisse unserer neuesten Studie dar, die im Sommersemester 2001 an 223 Studierenden (117 Männer, 106 Frauen) der Universität Mannheim durchgeführt wurde:

Insgesamt gesehen ist die Karrieremotivation bei Frauen und Männern hoch; überraschenderweise bei den Frauen jedoch signifikant höher als bei den Männern. Dieses Ergebnis ist ein Novum, ältere Studien von uns (Kümmerling & Dickenberger, 2001) sowie anderen Autoren (u.a. Abele, 1994) fanden diesbezüglich keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Studierenden. Gleichfalls hoch ist die familiäre Orientierung; eine eigene Familie wird von Männern und Frauen als sehr wichtig erachtet: Bei rund 90 Prozent der Befragten besteht ein Kinderwunsch. Frauen sind tendenziell eher bereit als die befragten Männer, für ihre Karriere auf Lebensqualität zu verzichten; für eine erfolgreiche Berufslaufbahn sind sie eher als Männer bereit, einen Ortswechsel vorzunehmen, auf Zeit für sich selbst und Hobbys zu verzichten, aber auch eher bereit, Konflikte mit dem Partner in Kauf zu nehmen.

Auf der anderen Seite denken Frauen bereits bei der Studienfachwahl deutlich mehr als Männer darüber nach, ob sie mit ihrem späteren Beruf auch die Familie vereinbaren können; sie sehen in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie größere Probleme und sind eher als Männer der Ansicht, dass ihre beruflichen Ziele die Realisierung ihrer familiären Wünsche nur eingeschränkt zulassen. Frauen favorisieren eine möglichst kurze Familienpause, Männer plädieren für eine ungleich längere berufliche Auszeit ihrer Frauen. Als „Wunschfamilienmodell“ postulieren Frauen (72 Prozent, Männer 50 Prozent), dass beide Partner ganztägig ihrem Beruf nachgehen und sich gemeinsam um die Kinder kümmern – die Realisierung desselben halten sie für wahrscheinlicher als die männlichen Befragten. (2 Knapp 1/3 der Männer, jedoch nur elf Prozent der Frauen bevorzugen ein Modell, in dem einer der Partner halbtags, der andere ganztags arbeitet. Mehrheitlich wird von diesen Befragten angegeben, die Mutter solle dieser Partner sein.)

Festzustellen ist die im Vergleich zu den männlichen Studierenden bei Studentinnen deutlich höhere Motivation und der Wille zur Karriere, verbunden mit der größeren Bereitschaft, „auf dem Weg nach oben“ auf Lebensqualität zu verzichten. Aber die Frauen wollen auch Kinder und fühlen sich dann für Haushalt und Kinder zuständig. Sie wollen sich in zwei Bereichen engagieren, die schwer miteinander vereinbar sind; vor allem dann, wenn auf Seiten ihrer Partner die Unterstützung fehlt. Dieser Konflikt besteht für Männer viel weniger: Karriere machen und die Zuständigkeit für das Einkommen in der Familie sind kompatibel. Die Vorstellungen des familiären Zusammenlebens haben sich offenbar nicht geändert, gestiegen ist die Karrieremotivation der Frauen: Sie sind gute Kandidatinnen für die so genannte Doppelrolle. Es bleibt also bei der Forderung nach angemessener Kinderbetreuung, vor allem aber bei der Notwendigkeit für Frauen und Männer, die alten Geschlechtrollen zu überwinden.

Interessant daher folgende Ergebnisse: Auf die Frage „Für welche Bereiche werden Sie vermutlich am meisten in ihrer künftigen Familie zuständig sein?“, weisen sich Männer stärker als Frauen die Verantwortlichkeit für den Bereich „Einkommen“ zu, während Frauen sich stärker als Männer die Verantwortung für die Bereiche: „Haushaltsführung“, „Betreuung der Kinder“ und „Kontakt zu Eltern und Verwandten“ zusprechen.

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Quellenangaben:

  • DPA Pressemeldung vom 08.07.2002
  • Determinanten der Karriere Eine theoretische Analyse unter Berücksichtigung geschlechtsspez. Besonderheiten, Schulte-Florian, Gabriel, München/Mering 1999. 
  • Junge Frauen heute – wie sie leben, was sie anders machen, Seidenspinner, G./ Keddi, B./Wittmann, S./Gross, M./Hildebrandt, K./Stehmel, P., Opladen 1996. 
  • Women’s career development Betz, N., in: Denmark, Florence L./Paludi, Michele (Hrsg.): Psychology of women. A handbook of issues and theories, Westport CT 1993 
  • Karrieremotivation und familiale Orientierung.  Eine Studie über die Karriereorientierung von Statusgruppen, Kümmerling, A. & Dickenberger, D., in: Tagungsband zum Symposium. Frauen machen Karriere in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik 2001
 

    

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