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Die Armut ist weiblich 

Nach jüngsten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes hat ein heute geborener Junge eine Lebenserwartung von 74,4 Jahren. Ein Mädchen könnte ihn mit 80,3 Jahren um knapp sechs Jahre überleben. Allerdings ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie in ihrem Leben von Armut betroffen sein wird, größer. Fachleute sprachen deshalb schon vor über 20 Jahren von einer Feminisierung der Armut. Der Frauenanteil an den Sozialhilfeempfängern ist allerdings gesunken. Gegenüber 1965, wo er bei 67 Prozent lag, wurden 1997 nur noch 56 Prozent ermittelt. Gründe dafür sind der Anstieg der Zahl armer Kinder und Jugendlicher und ein rapider Rückgang der Altersarmut, die überwiegend Frauen betraf, von 28 auf sechs Prozent.

Die Ursachen, warum Frauen in Armut leben, sind andere als bei Männern. Als entscheidende Faktoren erweisen sich der Familienstand, die Anzahl der zu versorgenden Kinder und die nationale Herkunft. Zu diesem Ergebnis kam auch eine Studie, bei der Mitte der 90er-Jahre "Sozialamtskarrieren" in Bremen untersucht wurden. Es stellte sich weiterhin heraus, dass Frauen zwar länger brauchen, um nach Sozialhilfebezug wieder unabhängig zu werden, ihre Unabhängigkeit dann aber umso stabiler ist.

Während bei Männern häufiger das Warten auf andere Sozialleistungen (z.B. vom Arbeitsamt oder Verrentung) den Gang zum Sozialamt notwendig machte, gaben Frauen als Hauptursache familiäre Gründe (z.B. unzureichender Unterhalt nach einer Scheidung) an.

 

Kinder und Karriere: für Frauen ein Widerspruch 

Der Wunsch nach Erwerbsbeteiligung und einer Integration in den Arbeitsmarkt hat bei Frauen in den letzten Jahren ständig zugenommen. Die Frauen in Ostdeutschland tragen zu 40 Prozent zum Familieneinkommen bei, im Westen liegt dieser Anteil unter einem Drittel.

Familien- und Fürsorgearbeit hat ein schlechtes Image und passt nicht zu den Anforderungen an einen flexiblen Einsatz im Job. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen orientieren sich noch immer zu stark am Leitbild der Hausfrauenehe und der Fiktion einer männlichen Erwerbsbiografie. Auch bei exzellenter Ausbildung erreichen Frauen nur selten hohe berufliche Positionen. Wenn sie versuchen, mit einem doppelten Lebensentwurf Kinder und Karriere miteinander zu vereinbaren, erschwert das ihre Zugangschancen am Arbeitsmarkt. Diese Benachteiligung zieht sich durch bis zum Rentenanspruch.

Nach Modellrechnungen, die der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Heinz-Peter Galler 1991 anstellte, verschenken Akademikerinnen bei einer zehnjährigen Familienpause 540.000 DM Einkommen (Kindergeld und andere Transferleistungen eingerechnet) und damit 35 Prozent ihres zu erwartenden Lebenseinkommens (Frauen mit Hauptschulabschluss: 29 Prozent). Hinzu kommen zusätzliche Kosten für die Kindererziehung.

Fällt der Partner durch Arbeitslosigkeit oder Trennung als Ernährer weitgehend aus, steigt das Risiko der Einkommensarmut für Frauen massiv an. Ein Drittel der allein Erziehendenhaushalte sind von Armut betroffen. Und allein Erziehende sind fast ausschließlich Frauen. Insbesondere allein erziehende Mütter haben darum eine ambivalente Einstellung zur Sozialhilfe. Für einige von ihnen wird sie vor dem Hintergrund gemachter Erfahrungen zumindest zeitweise zur Option. Eine Abhängigkeit vom Sozialamt kann unter Umständen erträglicher sein als die Abhängigkeit vom (Ex-)Partner. Ihre Familienarbeit als allein Erziehende sehen einige von ihnen als öffentliche Aufgabe, für die sie sich vom Staat - wenn auch unzureichend - "bezahlen" lassen.

 

Wenn Wohnen zum Problem wird 

Beim Thema Wohnungslosigkeit denkt jeder zunächst an allein stehende Männer, die in U-Bahnhöfen oder Hauseingängen Schutz suchen. Und tatsächlich stellen Männer den überwiegenden Teil der Klientel in der Wohnungslosenhilfe. Frauen neigen dagegen eher dazu, öffentliche Hilfsangebote nur im äußersten Notfall anzunehmen. Sie suchen, z.B. bei Konflikten mit ihrem Partner, eher Unterschlupf bei Freunden oder Verwandten. Zu solchen ungesicherten Mietverhältnissen kommt die latente Wohnungslosigkeit hinzu, z.B. wenn Frauen in gewaltgeprägten Beziehungen leben und jederzeit damit rechnen müssen, von ihrem Partner vor die Tür gesetzt zu werden.

Ein vom Bundesfamilienministerium gefördertes Modellprojekt hat zwischen 1995-97 über 450 wohnungslose Frauen betreut und ihre Lebenssituation untersucht. Als häufigster Grund für den Wohnungsverlust wurden "Konflikte mit Familie oder Partner" angegeben. Fremdkündigungen wegen Mietschulden gab es dagegen kaum. Hinsichtlich der gesundheitlichen Situation bestätigten sich bereits gewonnene Erkenntnisse: Frauen, die an materieller Armut leiden oder durch Gewalterfahrungen und seelische Probleme (z.B. Einsamkeit) beeinträchtigt sind, haben häufiger körperliche, psychische und psychosomatische Beschwerden. Der Konsum an legalen Drogen (vor allem Psychopharmaka und Nikotin) nimmt zu. Hilfeangebote für Frauen sind noch viel zu selten an ihren speziellen Bedürfnissen ausgerichtet. Dazu gehört vor allem bei Gewalterfahrungen ein geschützter, männerfreier Raum, geschlechtsgetrennte Sanitäreinrichtungen, und eine parteiergreifende Sozialarbeit. Frauen verzichten darum lieber auf die Angebote der Wohnungslosenhilfe, obwohl nach dem Bundessozialhilfegesetz ein Rechtsanspruch auf Unterbringung besteht.

 

Kümmerjobs 

Die BMFSFJ-Studie "Frauen ohne Wohnung" machte ein weiteres Problem deutlich: über 55 Prozent der Betroffenen war ohne Schul- bzw. Berufsabschluss und etwa jede zweite erwerbslos.

Wenn durch Förderprogramme eine nachträgliche Qualifikation erfolgt, dann manifestiert sie häufig die traditionellen "Kümmerjobs" (z.B. Pflege, Service), also Berufe mit hoher gesundheitlicher Belastung und ohne eine langfristige ökonomische Sicherheit.

Migrantinnen stellen hier eine besondere Betroffenengruppe dar, weil ihre schulische und berufliche Qualifizierung vom sozialen Umfeld wenig gefördert wird.

Zwar sind Frauen aller Bildungsschichten von Armut betroffen, ein guter Bildungsstatus ermöglicht aber eine bessere Erschließung von Ressourcen. Vor diesem Hintergrund müssen Armutserfahrungen von Frauen differenziert werden.

 

Quelle: Statistische Bundesamt, Wiesbaden
 

    

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