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Eine Scheidung muss kein Trauma sein 

Neun Jahre lang hat die Psychologien Petra Kufner Gruppen für Scheidungskinder geleitet. Nach ihren Beobachtungen sind Kinder durchaus in der Lage, die Trennung ihrer Eltern zu verarbeiten - vor allem dann, wenn sie die Gewissheit haben, dass sich Vater und Mutter zwar vom jeweiligen Partner scheiden lassen, nicht aber vom Kind.

«Die Trennung der Eltern ist für Scheidungskinder akut belastend, langfristig lassen sich beim Gros aber kaum negative Konsequenzen feststellen.» So fasst Professor Sabine Walper, Jugendforscherin am Institut für Pädagogik der Universität München, die Ergebnisse verschiedener Studien in Deutschland zusammen.

Walper leitet gemeinsam mit Professor Peter Noack vom Institut für Psychologie der Universität Jena seit 1994 das Projekt «Familienentwicklung nach der Trennung», bei dem 6000 Schülerinnen und Schüler aus ganz verschiedenen Familienkonstellationen bislang vier Mal zu ihrer Lebenssituation befragt wurden. Nach dieser Langzeituntersuchung tragen nicht die Kinder aus Scheidungsfamilien die größte Last, sondern Kinder, deren Eltern trotz ständigen Streits zusammenbleiben.

Wenn alles gut läuft, ist das Leben von Scheidungskindern im Schnitt zwei Jahre nach der Trennung wieder in der Balance, sagen Walper und Psychologin Kufner übereinstimmend. Bis dahin müssen sich Eltern mit schlechteren Schulnoten oder unerklärlichen Gefühlsausbrüchen abfinden. Ernste Alarmzeichen sind allerdings ständige Aggressivität, Einnässen, Nägelkauen oder innerer Rückzug.

Wer die Belastungen für seine Kinder möglichst gering halten will, sollte über die Scheidung so früh wie möglich sprechen, rät Toni Singer, promovierte Diplom-Psychologin mit eigener Praxis in Frankfurt: «Man sollte die Kinder für voll nehmen.» An den Gesprächen sollten möglichst beide Eltern teilhaben, und es müsse deutlich werden, dass der Sohn oder die Tochter keine Schuld an der Trennung der Eltern trägt, mahnt Psychologin Singer. Gerade Kinder im Alter zwischen vier und zwölf Jahren, die unter einer Scheidung ohnehin am stärksten litten, entwickelten oft nagende Zweifel. «Die sagen sich dann: Ich war nicht brav genug, deshalb trennen sich meine Eltern.»

Im Interesse der Kinder sollten sich die ehemaligen Partner auch auf klare Besuchsregelungen für den Elternteil einigen, der den gemeinsamen Haushalt verlassen wird. Es müsse eindeutig geklärt werden, am besten schriftlich, wann das Kind beim Vater sein soll und wann bei der Mutter. «Ein solches Schriftstück sollten dann auch beide unterschreiben, zum Beispiel im Beisein des Kindes.»

Das alles kann aber nur gelingen, wenn sich die Erwachsenen ein Mindestmaß an Verständigungsbereitschaft bewahrt haben, sagt Psychologin Singer. Auch wenn es schwer falle, sollten Eltern deshalb einander im Streit nicht so verletzen, dass keine gemeinsame Basis mehr da ist.

Doch selbst wenn die Scheidung fair und partnerschaftlich verläuft, eine Unwägbarkeit bleibt: US-amerikanische Studien zeigen Professor Walper zufolge, dass es für die Kinder bei der Scheidung nicht nur auf das «Wie» ankommt, sondern auch auf das «Wann». Löst ein Paar allzu schnell eine Beziehung, die eigentlich eine zweite Chance verdient hätte, stürze das die Kinder oftmals in große Verwirrung. «Da bleibt oft Jahre später noch große Verbitterung zurück».

Die Scheidung ihrer Eltern ist für Kinder offenbar weniger belastend als der elterliche Dauerkonflikt hinter der Fassade einer bestehenden, aber nur mühsam aufrecht erhaltenen Ehe - so Psychologin Sabine Walper von der Universität München, die dieses Ergebnis Ihrer Studie, in der 750 betroffene Kinder in den alten und neuen Bundesländern untersucht worden waren, vorstellte.

Für die Studie, die von 1996 bis 1998 lief, hatten sich die Psychologen auf Kinder aus drei Familienkonstellationen konzentriert: die klassische Mutter-Vater-Kind-Familie, allein Erziehende und Familien mit einem Stiefelternteil. Vergleichend dazu waren Kinder befragt worden, deren Eltern sich nicht mehr verstanden, aber auch nicht trennen wollten. Ergebnis laut Walper: "Eine Scheidung verkraften Kinder eigentlich ganz gut."

Die Ursache, warum die meisten Mädchen und Jungen sich mit einer Scheidung trotz aller damit verbundenen Schwierigkeiten relativ gut abfinden können, haben die Wissenschaftler bei ihren Untersuchungen auch gefunden. "Eine Trennung schafft wieder klare Verhältnisse", so die Münchener Psychologin. Hier greife die Formel "besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende".

Dagegen gehe es Kindern aus Familien, die die eigentlich überfällige Trennung nicht vollziehen, deutlich schlechter. Walper: "Solche Kinder leiden heftiger und länger." Grund: Wenn sich die Eltern ständig stritten und angifteten, gerieten die Sprösslinge in Loyalitätskonflikte, die für sie nur schwer auszuhalten seien. Zudem benutzten betroffene Eltern für ihren eigenen Streit häufig die Kinder als Transportmittel. Walper: "Die Eltern machen sich vor den Kindern gegenseitig mies, oder ein Elternteil setzt den anderen hintenherum herab."

Die Kinder schleppen die Folgen derartiger Konflikte oftmals ein Leben lang unbewusst mit sich herum, meinen die Experten. Häufig kämpfen sie später in ihren eigenen Beziehungen mit ähnlichen Problemen. Denn das eigene Partnerwahlverhalten werde durch das bestimmt, was sie als Kinder vorgelebt bekämen. Und da sehen die Experten wiederum eine Parallele zu Kindern, deren Eltern geschieden wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass deren Ehen später ebenfalls in die Brüche gingen, sei höher als bei Kindern aus harmonischen Familien.

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Quelle: dpa - Meldung vom 21.08.2002 
MEDI-Report: www.medi-report.de

 

    

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