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Hyperaktive Kinder werden oft verkannt 

Aufmerksamkeitsstörungen genetisch bedingt 

Jungen sind häufiger hyperaktiv 

 

Jungen sind häufiger hyperaktiv 

Jungen sind nach Angaben von Experten wesentlich häufiger von Aufmerksamkeitsstörungen (ADS) betroffen als Mädchen. Das lege nahe, dass die Störung zumindest zum Teil genetisch bedingt sei, sagte Prof. Manfred Döpfner, Klinik für Psychiatrie in Köln, im Vorfeld des Kongresses ADS/ADHS in Hamburg.

Das Risiko, dass ein Kind erkranke, steige zudem durch Zigaretten- und Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Außerdem seien Kinder von allein Erziehenden öfter betroffen. Insgesamt gibt es in Deutschland nach Angaben des Hamburger Jugendpsychiaters Michael Schulte-Markwort vom Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) rund eine halbe Million betroffene Kinder.

Für die schwierige Diagnose der Aufmerksamkeitsstörungen, die häufig mit Hyperaktivität (ADHS) einhergeht, wurde einen Diagnosefaden erarbeitet, der sowohl Familie als auch die Schule mit einbezieht. «Bei 30 Prozent der Kinder ist eine Behandlung mit Medikamenten unverzichtbar», sagte Döpfner. Sie sei jedoch nicht bei allen Kindern nötig und zum Teil mit deutlichen Nebenwirkungen verbunden. «Sie sollte daher mit einer Verhaltenstherapie verbunden werden». Dabei lernen die Eltern unter anderem, wie sie mit mehr Lob, Ruhe und Konsequenz den Umgang mit den quirligen Kindern leichter gestalten können. «Versuchen sie nicht, perfekt zu sein und geben sie klare Regeln vor», gehört zu Döpfners Ratschlägen an die Eltern.

Um die Datenbasis über die auch im Erwachsenalter noch nachwirkende Störung zu verbreitern, läuft derzeit an der Berliner Charite eine Befragung betroffener Eltern. «Die bisher ausgewerteten rund 800 Fragebögen zeigen uns, dass die typische betroffene Familie zwei oder mehr Kinder hat, also mehr als der Durchschnitt», sagte Barbara Högl vom Arbeitskreis Überaktives Kind (Berlin). Therapiert würden die Kinder meist mit Medikamenten, gefolgt von Ergotherapie und Verhaltenstherapien.

 

Aufmerksamkeitsstörungen genetisch bedingt 

Die Hauptursache für die Aufmerksamkeitsstörung ADS, von der viele Kinder betroffen sind, ist nach Expertenansicht eine genetische Veranlagung. Dafür gebe es immer mehr Belege, sagte Prof. Manfred Döpfner von der Klinik für Psychiatrie in Köln am Freitag im Vorfeld eines Fachkongresses in Hamburg. Forscher gingen von Anteilen zwischen 50 und 70 Prozent aus.

Hinzu kämen Umweltfaktoren wie starker Nikotin- oder Alkoholgenuss der Mutter während der Schwangerschaft, der das zentrale Nervensystem schädigen könne, und psychosoziale Faktoren wie familiäre Beziehungen. Früher habe man dagegen Umwelteinflüsse als primäre Ursachen für ADS angesehen.

Insgesamt sind in Deutschland nach Angaben des Hamburger Jugendpsychiaters Michael Schulte-Markwort vom Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) rund eine halbe Million Kinder betroffen, überwiegend Jungen. «Bei 30 Prozent der Kinder ist eine Behandlung mit Medikamenten unverzichtbar», sagte Döpfner. Es sei jedoch fraglich, ob zurzeit immer die Kinder behandelt würden, die eine medikamentöse Therapie bräuchten. Diese sei zum Teil mit deutlichen Nebenwirkungen verbunden.

Hoffnung auf eine weniger belastende Therapie mache der Wirkstoff Atomoxetin, der derzeit klinisch getestet werde. Der Stoff wirke auf den Botenstoff Noradrenalin und falle nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Bisher wird Kindern mit dem ADS-Syndrom unter anderem das Medikament Methylphenidat (Handelsnamen Ritalin, Medikinet) verschrieben.

Zusätzlich sei eine Verhaltenstherapie empfehlenswert, sagte Döpfner. Dabei lernen die Eltern unter anderem, wie sie mit mehr Lob, Ruhe und Konsequenz den Umgang mit den quirligen Kindern leichter gestalten können. «Versuchen Sie nicht, perfekt zu sein und geben Sie klare Regeln vor», gehört zu Döpfners Ratschlägen an die Eltern.

 

Hyperaktive Kinder werden oft verkannt 

Hyperaktive Kinder werden nach Meinung des Landesvereins «Das HyperAktive Kind» e.V. oft als solche nicht erkannt. Notwendig sei eine frühzeitige Diagnose als «hyperaktiv», um Auffällige bereits im Kleinkindalter fördern zu können, sagte Vereinsvorsitzende Solveig Büttner in einem dpa-Gespräch in Stralsund.

Nach Angaben des Vereins sind bundesweit vier bis sechs Prozent der Kinder eines Jahrgangs vom der so genannten Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Disposition (ADD, ADHD) betroffen. Vermutlich deutlich mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene würden darunter leiden. Der Verein will nach den Worten Büttners landesweit Bildungs- und Trainingseinheiten für Eltern und Lehrer anbieten. Pädagogen wie auch Eltern seien oftmals überfordert und würden sich gegenseitig vorwerfen, bei der Erziehung des Kindes versagt zu haben. «Dieser Boomerang-Effekt muss durchbrochen werden», sagte die Familienpädagogin. Unaufmerksamkeit, auffällige Motorik und Zappeln und Impulsivität sind Symptome der Störung.

Hyperaktive Kinder hätten eine verminderte Aufmerksamkeitsphase und müssten viel stärker motiviert werden. Lerneinheiten müssten beispielsweise in einzelne Schritte aufgeteilt werden. Eine Medikamenten-Behandlung sei wichtig, muss aber um weitere Hilfs- und Therapieangebote für die Betroffenen ergänzt werden.

«Wenn hyperaktive Kinder nicht rechtzeitig erkannt und therapiert werden, sinken ihre Zukunftschancen drastisch», sagte Büttner. Rund 90 Prozent der Betroffenen haben ihren Worten zufolge die Krankheit geerbt. Oft erkennen Betroffene erst im Erwachsenenalter, dass sie unter das Krankheitsbild fallen, sagte Büttner.

Im 1999 gegründeten Verein arbeiten Büttner zufolge Elterngruppen, Pädagogen, Ärzte, Beratungsstellen und Rechtsanwälte. Seit 2002 ist der Verein für Mecklenburg-Vorpommern zuständig.

 

Quelle:
dpa - Meldung vom 30.08.2002
dpa - Meldung vom 30.08.2002
dpa - Meldung vom 02.09.2002 

 

    

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