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Wieder mehr Familienorientierung. Bundesbürger ändern ihre Lebensgewohnheiten

In unruhigen Zeiten nimmt der Wunsch nach Ruhe und Geborgenheit zu. Im Zeitvergleich der letzten drei Jahre ist feststellbar: Die Bürger richten sich auf eine neue Häuslichkeit ein. Kommt die Biedermeier-Kultur wieder? Immer mehr besinnen sich auf die Familie und die eigenen vier Wände als Horte der Stabilität: "Sich mit der Familie beschäftigen" rückt zunehmend in den Mittelpunkt des Alltagslebens (1999: 44% - 2000: 47% - 2001: 51%). Und auch Heimwerken und Gartenarbeit werden wieder attraktiver.

Die Menschen wollen mit der Welt ins Reine kommen und gehen auf die Suche nach dem inneren Frieden. Das kann ein Rückzug in die Familie und auch eine Neubesinnung auf das Beständige sein, was dem Leben einen Sinn gibt. Neben innerhäuslichen Aktivitäten nimmt die Neigung zu, im privaten Kreis "über wichtige Dinge zu reden" (1999: 26% - 2000: 30% - 2001: 34%). An dieser ernsthaften Auseinandersetzung über wichtige Fragen des Lebens zeigt sich die junge Generation der 14- bis 29-Jährigen sogar interessierter (34%) als die ältere Generation der über 50-Jährigen (31%). Mehr Ernsthaftigkeit als Oberflächlichkeit, mehr Ruhe als Betriebsamkeit - das Privatleben wird wieder wichtig. Zur Ruhe kommen, in Ruhe gelassen werden und sich in Ruhe pflegen deuten auf einen Einstellungswandel hin, der Wohnen und Wohnumfeld stärker in das Zentrum der persönlichen Lebensqualität rückt.

Wie könnte der Wunsch nach mehr Familienorientierung Alltag und Leben verändern, wenn die Krisenzeiten weiter anhalten?

Die Familie wird dann wieder zum sozialen Lebensmittelpunkt. Zusammensein und Zusammenleben in und mit der Familie werden bewusst gesucht. Man nimmt sich mehr Zeit für einander.

Das Miteinander-Reden und -Diskutieren, Unterhalten und Erzählen sowie ernsthafte Gespräche und Aussprachen gewinnen an Bedeutung - im kleinen Kreis der Familie und Freunde. Die "schönen Abende" zählen; private Einladungen und Besuche nehmen zu.

Die Entspannung wird zu einem zentralen Lebensbedürfnis. Sicher und ungestört, stressfrei und friedlich werden Feierabend und Wochenende erlebt und Musikhören und Lesen als beruhigende Beschäftigungen wiederentdeckt.

Das Spazierengehen inmitten von Natur und schöner Landschaft sorgt zugleich für die notwendige Balance von Ruhe und Bewegung.

Die Wohnung vermittelt ein Nähe-, Nest- und Heimatgefühl: "Hier bin ich zu Hause" und "hier fühle ich mich geborgen". Es wird Wert auf Gemütlichkeit und behagliche Atmosphäre gelegt - durchaus als Gegenbewegung und Kontrast zu Lifestyle, Mainstream und Postmoderne. Die Wohnung kann Boxenstopp und Rückzugsnische zugleich sein, die den Alltagsstress und -lärm von draußen abschirmt.

Der Rückzug ins Private hat auch seine sozialen Schattenseiten. Wenn die Wohnung als Ankerplatz für das Ich und als Naherholungsgebiet für die Familie das Rückzugs- und Separierungsbedürfnis zu sehr betont und zur Isolierzelle wird, kommt die Kommunikation nach draußen und im sozialen Umfeld zu kurz.

Familienorientierung und Wohnatmosphäre ersetzen zunehmend Prestige- und Statussymbole. Im Zentrum steht mehr das eigene Wohlgefühl zwischen Wellness und Wohnbefinden: Entspannungswochenenden und Schönheitskuren, Wohlfühlprogramme und Gesundheitstourismus.

Es wird nicht weniger, sondern anders konsumiert: E-Commerce-Hoffnungen, wonach die Menschen auf den Einkaufsbummel mit Familie und Freunden verzichten und stattdessen lieber online bestellen würden, erfüllen sich nicht. Denn die Sinne und die Kontakte konsumieren weiter mit. Ausgaben für Wohnen, Essen, Trinken und Gemütlichkeit vom Bademantel über das Kochbuch bis zum Spielzeug werden keineswegs eingeschränkt.

Unternehmungen mit Sinnbezug werden stärker nachgefragt sein. Dafür spricht auch, dass es z.Zt. mehr Kirchenbesucher (16%) als Zuschauer bei Sportveranstaltungen (12%) gibt und das Engagement in Bürgerinitiativen (7%) mehr als die aktive Mitarbeit in Parteien und Gewerkschaften (2%) gefragt ist.

Renaissance der alten Werte. Pflichtwerte bei der jungen Generation wieder gefragt

Die deutsche Vereinigung hat den Wertewandel in Deutschland nachhaltig verändert und einen Wertemix gefördert. Die mehr konservativen Werte der Ostdeutschen haben den Selbstentfaltungstrend der Westdeutschen spürbar gebremst. Umgekehrt hat auch die stärker hedonistisch ausgerichtete Lebensorientierung der Westdeutschen den Lebensstil der Bürger in den neuen Bundesländern beeinflusst. Die Folge ist mittlerweile eine Wertesynthese auf beiden Seiten.

Insofern kann es nicht überraschen, dass sich derzeit bei der jungen Generation eine Renaissance der alten Werte abzeichnet. Seit der Wende 1989 hat es bei den 14- bis 29-Jährigen eine Werteverschiebung gegeben. Die traditionellen Pflicht- und Akzeptanzwerte finden bei der Jugend wieder größere Resonanz (Gehorsam: +6 Prozentpunkte/ Pflichterfüllung: +5/Höflichkeit: +1/Fleiß: +1), während die Selbstentfaltungswerte deutlich an Bedeutung einbüßen (Kritikfähigkeit: -12/Kontaktfähigkeit: -10/Spontaneität: -10/Offenheit: -7). Die Selbstentfaltungswerte bleiben wichtig im Leben, verlieren aber ihre übermächtige Dominanz. Die im Mai 2001 von Doris Schröder-Köpf ausgelöste Werte- und Erziehungsdebatte spiegelt durchaus die Wertewirklichkeit in Deutschland wider. Renaissance der alten Werte heißt: Revitalisierung und Neubelebung und nicht etwa zurück in die fünfziger Jahre.

Die junge Generation sucht ein Leben im Gleichgewicht: Leistung und Lebensgenuss sind für sie keine Gegensätze mehr; beide verlieren ihren Konfrontationscharakter. Ein Ausgleich zwischen materiellen und immateriellen Lebenszielen wird angestrebt - eine neue Gleichgewichtsethik. Die so genannten Sekundärtugenden sind für die 14- bis 29-Jährigen von heute keineswegs sekundär. Für sie ist Pflichterfüllung (66%) wichtiger als Spontaneität (52%). Und auch Höflichkeit (66%) hat im Leben wieder ihren festen Platz.

Die 68-er Generation und ihre Wertorientierungen können heute die Einstellung der Jugend zum Leben nur noch unzureichend beschreiben. Als beispielsweise Rudi Dutschke und Daniel Cohn-Bendit 1978 in einem Wiener Fernsehstudio danach gefragt wurden, was sie denn gesellschaftlich und politisch in die siebziger Jahre hinübergerettet hätten, antworteten beide einhellig: 
1. die Veränderung der Arbeitsmoral 
2. die Unlust an der Leistung und 
3. die Lust an der Freizeit. 
Dies ist heute überholt. Leistungs- und Freizeitorientierung halten sich wieder die Waage. Und die Arbeitsmoral basiert auf den beiden Säulen Spaß und Sinn.

Die junge Generation löst sich selbstbewusst aus dem Schatten der Werterevolution der 68er Jahre. Sie muss sich und anderen keine Protesthaltung mehr beweisen. Sie ist auf der Suche nach dem "richtigen" Verhältnis von alten und neuen Werten und will in einer ausgeglichenen Balance zwischen Leistungs-, Genuss- und Sozialorientierung leben. Sie legt besonderen Wert darauf, im Leben etwas zu leisten und das Leben zu genießen. Und ist auch bereit - auf Gegenseitigkeit - anderen zu helfen. Mehr als alle Kriegs- und Nachkriegsgenerationen zuvor sucht sie das Gleichgewicht von Wohlstand und Wohlbefinden.

Abwendung von Ersatzreligionen. "Ressource Sinn" gefragt

Die Menschen verlangen nach einer neuen Sinnorientierung, die Halt, Beständigkeit und auch Wesentliches in das Leben bringt. Religiosität als Lebensgefühl ist wieder gefragt. Das Problem der westlichen Konsumkultur war ja bisher nicht der Verfall des Religiösen, sondern die Inflationierung des Lebens mit Ersatzreligionen aus Werbung, Medien und Mode. Insbesondere die modernen Trendforscher und Trendagenturen spielten dabei Gott nach dem Motto: "Posthuman: Schicksal wird zur Ware" (6. Deutscher Trendtag am 10. Mai 2001 in Hamburg). Sie animierten die Verbraucher zum naiven Glauben an das Kultmarketing. Die alten Religionen sollten durch die neuen Götter des Marktes verdrängt werden und Markennamen ein Ersatz für das fehlende Sinnsystem sein.

Trendforscher wie beispielsweise Matthias Horx und Peter Wippermann traten mit dem vermessenen Anspruch auf, den wirklichen Krieg durch den "Krieg der Marken" zu ersetzen. "Statt des Hakenkreuzes" sollte das Coca-Cola-Emblem über Deutschland zu leuchten beginnen und an die Stelle des Kommunismus "das kultische Begehren in Richtung McDonald's und Sony" treten. Zugespitzt in der Botschaft: "Wo nicht genügend konsumiert wird, herrscht früher oder später Krieg" (Horx/Wippermann: Markenkult. Wie Waren zu Ikonen werden, Düsseldorf 1995, S. 17). Maßlos. Grenzenlos. Gewissenlos. Marken wurden wie echte Religionen gehandelt - und verkauft. Liebe aus der Streckdose und Lebenserfüllung aus dem Warenregal? Irrweg und Selbsttäuschung zugleich.

Wenn der Philosoph Jürgen Habermas in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises in der Frankfurter Paulskirche am 14. Oktober 2001 davon sprach, dass der 11. September "im Innersten der Gesellschaft eine religiöse Saite in Schwingung versetzt" habe, so war damit sicher nicht die Wiederkehr des Religiösen gemeint. Eher ist dies als Eingeständnis zu werten, den Sinngehalt und die Nachhaltigkeit von Religionsangeboten nicht kritischer hinterfragt und die Kirchen als moralische Sinnstiftungsunternehmen nicht stärker gefordert zu haben. Wie schon lange nicht mehr ist die Ressource Sinn gefragt.

In den vergangenen Wohlstandsjahren haben wir verlernt, einander zu vertrauen. Das Prinzip Vertrauen wurde weitgehend durch das Prinzip Individualität ersetzt. Statt Freiheit, Freizeit und Freunde weiterhin als individuelle Lebensideale zu verklären, sollten wir eher nach gemeinsamen Werten Ausschau halten. Was heute und in Zukunft wirklich wichtig und wertvoll ist, dem Leben Stabilität und Halt gibt und als sozialer Kitt die Gesellschaft zusammenhält, sind Hilfsbereitschaft (57%), menschliche Wärme (54%) und soziale Gerechtigkeit (51%). Nach diesem mehrheitsfähigen Wertekanon sollten wir unsere Zukunft gestalten, also Abschied nehmen vom Zeitalter individueller Bastelexistenzen und einem Zeitalter des gemeinsamen Lebens zum Durchbruch verhelfen.

Quelle: BAT-Freizeitforschungs-Institut 2001
www.bat.de
 

    

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