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Mit Paartherapie die große Liebe retten

Nahezu drei Viertel der Deutschen glaubt an sie: die große Liebe. Trotzdem stieg die Zahl der Ehescheidungen rapide an: waren es 1991 noch rund 135 000 standen 1999 schon knapp 200 000 Paare vor dem Richter. Um ihre große Liebe zu retten, holen sich immer mehr Deutsche Rat von Experten für eine harmonische Beziehung. Paartherapeuten und kirchliche Beratungsstellen haben Hochkonjunktur.

«Die Anmeldungen haben sich deutlich vervielfacht», sagt die Paartherapeutin und Heilpraktikerin Heide Jurczek in Hamburg. «Die Paare haben die Paartherapie als eine gute Möglichkeit begriffen, ihre Beziehung zu überdenken». Bis vor einigen Jahren seien es hauptsächlich die Frauen gewesen, die die Notwendigkeit einer Therapie erkannt hätten. Das habe sich verändert, sagt Heide Jurczek. «Insbesondere die jüngeren Männer bringen die gleiche Offenheit mit wie Frauen», so die Therapeutin.

Ähnliches hat auch Jan Wingert, Pfarrer und Pastoralpsychologe des Diakonischen Werkes in Hamburg, beobachtet. Manchmal kämen die Männer sogar ohne ihre Partnerinnen in die Beratungsstelle, da sie spürten, dass in der Beziehung etwas falsch liefe. «Aber Männer haben viel größere Schwierigkeiten, Probleme wahrzunehmen und auszusprechen», so Wingert. Die Frauen hingegen wüssten oftmals schon sehr genau, woran die Beziehung zu zerbrechen drohe.

«Wichtig für das Gelingen einer gemeinsamen Paartherapie ist vor allem, dass die Partner daran Interesse haben», sagt Heide Jurczek. Eine Therapie bedeute nämlich immer ein hartes Stück Arbeit. «Denn es ist wichtig, das Besprochene konkret in den Alltag umzusetzen», weiß Jurczek. Von «alten» Verhaltensmustern Abschied zu nehmen, fällt vielen Beteiligten oft schwer. «Manchmal reicht allerdings schon eine kurze Intervention aus», sagt Heide Jurczek.

Solche nur wenige Sitzungen dauernde Beratungen bieten vor allem die kirchlichen Beratungsstellen an. «Ob eine Therapie überhaupt fruchten kann, liegt immer an Mann und Frau gemeinsam», so Wingert. Die meisten kämen mit dem Wunsch, es nochmals miteinander zu versuchen. Es sei die Ausnahme, dass Paare zwar noch eine Beratung aufsuchten, aber die Trennung unmittelbar bevorstehe.

Von den rund 300 bis 400 Paaren, die jährlich die Beratungsstelle des Diakonischen Werkes aufsuchten, kämen viele auch nur einige wenige Male. «Das sind oft die Paare, die ihre Kinder gleich mitbringen», sagt der Pastoralpsychologe, «denn viele Konflikte zwischen den Partnern drehen sich um Kindererziehung». Dass sie nicht häufiger kommen, hat sicherlich auch finanzielle Gründe. Denn in der Regel tragen die Paare die Kosten in Höhe von rund 100 Mark pro Sitzung aus eigener Tasche.

Nur in wenigen Ausnahmefällen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Paartherapie bei einem vertraglich gebundenen Psychologen. Bis zu 25 Sitzungen trägt die Kasse, die im Einzelfall aufgestockt werden können. «Voraussetzung ist allerdings eine vorliegende psychische Erkrankung eines Ehepartners», sagt Peter Claußen, Pressesprecher der Barmer Ersatzkasse in Hamburg. Vorab müsse eine neurologische Erkrankung durch einen Arzt jedoch ausgeschlossen werden können.

Ob die Kostenübernahme bei Lebensgemeinschaften ohne Trauschein und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften auch besteht, müsse mit einem Arzt geklärt werden. «Auch diese Beziehungen sind vor Problemen natürlich nicht gefeit», betont Wingert. Jedes Paar werde automatisch früher oder später vom Alltag eingeholt, insbesondere mit Kindern. «Viele Paare verfallen in Resignation und glauben, aus dem Alltagstrott nicht mehr raus zu kommen», sagt er.

«Dass Konflikte entstehen, ist völlig normal», weiß auch Heide Jurczek. Keine Partnerschaft könne immer harmonisch und konfliktfrei sein. Das sei auch gar nicht förderlich für die Beziehung, betonen beide Fachleute. «Gerade weil Menschen sich permanent entwickeln, ist es wichtig, mit dem anderen ständig im Dialog zu stehen», sagt Jurczek. In der Therapie müssen wir das Verständnis für die Gefühle des Gegenübers neu wecken», sagt sie. Wichtig sei vor allem, dass die Sorgen, Ängste und die Wut des Partners nicht als Lappalien abgestempelt würden. Denn ein Konflikt in der Ehe sei häufig nur ein Vehikel für ein sehr viel tiefer liegendes Problem der Partner, das gelöst werden müsse.

«Natürlich muss sich der Therapeut stets neutral verhalten und beide Seiten hören», sagt Pastoralpsychologe Wingert. Nur so könne das erklärte Ziel erreicht werden, eine befriedigende Lösung für beide Parteien zu finden. «Nur dann hat das Fortbestehen der Partnerschaft eine reelle Chance».

 

    

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