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Spielsucht und Familienglück 

Über das familiäre Umfeld problematischer Glücksspieler

 01.09.2000, Gabriele Rutzen, UNI Köln

Schon im frühen neunzehnten Jahrhundert beschreibt E.T.A. Hoffmann in dem Roman Spielerglück typische Züge des pathologischen Glücksspielers und das Involviertsein seines familiären Umfeldes. Dennoch wurde die Rückwirkung von Beziehungsstrukturen auf problematisches Spielverhalten bislang kaum näher untersucht. Doch die Problematik kann durch eine Betrachtung der Person des Glücksspielers allein nicht ausreichend erfaßt werden, da das Beziehungsumfeld üblicherweise über Kommunikationsstrukturen, Interaktion und finanzielle Abhängigkeiten eingebunden ist. Zu diesem Ergebnis kommt Susanne Schmülling in einer an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität zu Köln veröffentlichten qualitativen Einzelfallstudie.

Nach dem hier angewendeten systemischen Ansatz kommt den Beziehungsstrukturen in Spielerfamilien sogar eine entscheidende Bedeutung zu. Die Familienangehörigen oder Partner sind zu verstrickt in das Verhaltensmuster des Spielers, als daß von ihnen der entscheidende Impuls zu einer Veränderung ausgehen könnte. So können familiäre und partnerschaftliche Konflikte sowohl als Ursache als auch als Folge exzessiven Glücksspiels beschrieben werden. Aber auch auf übergeordneter Ebene lassen sich Strukturen feststellen, die die Spielsucht fördern. Nicht zuletzt der Staat steht in einem zwiespältigen Verhältnis zum Glücksspiel. Zwar hält er sich durch gesetzliche Beschränkungen nach dem Strafgesetzbuch Eingriffsmöglichkeiten offen, andererseits profitiert er finanziell von dem Glücksspielwesen.

Der pathologische Spieler ist zu über neunzig Prozent männlichen Geschlechts und beginnt mit etwa zwanzig Jahren exzessiv zu spielen, während Frauen erst mit etwas höherem Lebensalter zu spielen anfangen. An das Glücksspiel wird er über Bekannte oder Verwandte heran geführt, wobei die Spielsucht meist nach einer Lebenskrise einsetzt. Ein einheitliches Persönlichkeitsprofil für alle Spieler besteht nicht, wohl aber häufig narzistische sowie Borderline--Persönlichkeitsstörungen. Eine aus der Literaturübersicht von Schmülling abgeleitete Gemeinsamkeit besteht darin, daß viele Suchtspieler massive Partnerschafts- beziehungsweise Familienprobleme haben, somit die Spielsucht also eine Funktion für das Beziehungssystem erfüllt.

Die idealtypische Spielerfamilie zeigt ein Verhaltensmuster, das wechselweise grenzüberschreitend einnehmend und dann wieder stark abgrenzend ist in Bezug auf den Partner. Einerseits sind die Familienmitglieder von einer großen Angst vor Trennung bestimmt, mit der häufig auch gedroht wird. Andererseits werden die Familien oder Paare durch die Spielsucht und deren Folgen - etwa Schulden - zusammengeschweißt. Das exzessive Glücksspiel ermöglicht dem Spieler, auf das Verhaltensmuster der Familie zu reagieren, indem er die Distanz zur Familie beim Spiel auslebt, gleichzeitig aber alle in sein Problem involviert und an sich bindet. An der Konstellation ändert sich kaum etwas, solange er seine Autonomiebestrebungen nur beim Glücksspiel auslebt.

Hierin liegt der neue von Schmülling abgeleitete Ansatz zur Veränderung der Problemsituation. Nicht nur das Verhalten des Suchtspielers muß eine Änderung erfahren, sondern die Beziehungsstruktur, die mit der Aufrechterhaltung der Situation verknüpft ist, muß aufgebrochen werden. Die Interaktionsmuster innerhalb einer typischen Spielerfamilie sind im Rahmen einer Familientherapie

veränderbar. Das symptomatische Verhalten des Spielers würde damit überflüssig.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Susanne Schmülling unter der Telefonnummer 0221/478-4035, der Faxnummer 0221/478-3482 und der Email-Adresse S.Schmuelling@pet.mpin-koeln.mpg.de zur Verfügung. 
 

    

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