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Vorgeburtliche Diagnose

Lebensgefährliches Erkennen von Krankheiten 

11.01.2001, Katholische Universität Eichstätt

"Wird unser Kind gesund sein?" Für werdende Eltern ist dies eine der brennendsten Fragen. Halt in dieser Ungewissheit verspricht die vorgeburtliche Diagnostik, der sich mehr und mehr Schwangere unterziehen. Schwangeren ab Mitte 30 wird eine solche Untersuchung nahegelegt. Mit Hilfe verschiedener Methoden soll Gewißheit geschaffen werden, ob das erwartete Kind etwa eine bestimmte Erbkrankheit hat oder nicht. Auf den Prüfstand der Ethik stellt diese diagnostischen Verfahren Bernhard Sill, Professor für Moraltheologie und Sozialethik an der Fakultät für Religionspädagogik/Kirchliche Bildungsarbeit an der Katholischen Universität Eichstätt (KUE), im neuesten Band der "Eichstätter Antrittsvorlesungen".

Sill warnt vor falschen Erwartungen an die Möglichkeiten der pränatalen Diagnostik: "Gegenwärtig ist lediglich eine begrenzte Zahl der Erbkrankheiten überhaupt pränataldiagnostisch erfassbar." Das heißt: Die Durchführung einer vorgeburtlichen Untersuchung ist noch lange keine Garantie für ein gesundes Kind. Als besonders problematisch sieht Sill die mit den pränatalen Untersuchungen verbundenen Risiken einer Fehlgeburt: Während die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit Down-Syndrom zu gebären für eine 35jährige Frau statistisch bei einer Wahrscheinlichkeit von eins zu vierhundert liegt, liegt das Risiko einer Fehlgeburt bei einer Fruchtwasseruntersuchung bei eins zu hundert. Bei anderen vorgeburtlichen Verfahren wie zum Beispiel der Nabelschnurpunktion ist das Risiko einer Fehlgeburt noch größer, "was bedeutet, dass man bereit ist, das Leben mehrerer gesunder Kinder zu opfern, um die Krankheit eines Kindes zu erkennen. Ferner entspricht der frühzeitigen pränatalen Diagnose nur in wenigen Fällen auch die Chance einer Therapie, so dass ein positiver Befund in der Tendenz einen Schwangerschaftsabbruch nach sich zieht", erläutert Sill.

Eine besondere Belastung sieht Sill für die Schwangeren: Einerseits bestehe die Gefahr, dass eine Schwangerschaft erst nach einem "entwarnenden" Befund - je nach Verfahren zwischen dem dritten und sechsten Monat - angenommen werde. Auf der anderen Seite sieht Sill einen immer stärker werdenden gesellschaftlichen Druck, nur gesunde Kinder zur Welt zu bringen: Es werde erwartet, dass Frauen bei entsprechendem Befund einwilligen, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen.

"Überdies beginnt ein Kosten-Nutzen-Denken salonfähig zu werden, das sich traut, die Würde des Menschen zum Gegenstand ökonomischer Kalkulation zu machen, wenn es etwa heißt, durch die unterbundene Geburt behinderter Kinder seien Millionensummen zu sparen", so Sill. Er setzt dieser Haltung die Solidarität zu den Schwächsten gegenüber, so, wie sie auch im Grundgesetz festgeschrieben ist. Notwendig sei, dass sich behinderte Kinder "bejaht und beheimatet" wissen. Ein dafür günstiges gesellschaftliches Umfeld zu schaffen, sei Aufgabe der Gemeinschaft und besonders der Eltern gesunder Kinder. In der ethischen Abwägung lehnt Sill die vorgeburtliche Diagnose jedoch nicht rundweg ab. Seine ethische Grundthese lautet: "So lange es Ziel der pränatalen Diagnostik ist, den Lebens- und Gesundheitsinteressen des ungeborenen Lebens zu dienen, dass sie hilft, eine pränatale oder postnatale Therapie zu ermöglichen, so lange dient sie einem legitimen Ziel und wird daher auch aus der Sicht christlicher Ethik positiv qualifiziert."

 

    

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