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Wie der Großvater, so der Vater? 

Die Drei-Generationen-Perspektive in der Vater-Kind-Beziehung

 Beate Minsel & Wassilios E. Fthenakis, Staatsinstitut für Frühpädagogik, München

In Forschung und Praxis wird seit einiger Zeit die Frage diskutiert, wieso sich Väter ihren Kindern gegenüber unterschiedlich verhalten und inwieweit sie das Verhalten ihrer eigenen Väter übernehmen. Um (u.a.) diese Frage zu untersuchen, wurde eine Untersuchung an 333 Vätern und ihren jugendlichen Kinder im Alter von 12 bis 17 Jahren im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt. Die Väter füllten einen Fragebogen zum Verhalten ihres eigenen Vaters während der Kindheit aus. Außerdem beantworteten die Väter einen Fragebogen zur Partnerschaftsqualität in ihrer eigenen Partnerschaft. In diesem Fragebogen wird u.a. erfasst, wie häufig sich die Partner streiten. In einem mündlichen Interview wurden ihnen Fragen dazu gestellt, für welche Aufgaben ein Vater in der Familie idealerweise zuständig sein

sollte (Vaterschaftskonzept) und welche Tätigkeiten sie mit ihrem Kind am letzten Werktag sowie am letzten Sonntag tatsächlich ausgeführt hatten. Die Jugendlichen beantworteten einen Fragebogen zum Verhalten ihres Vaters, in dem das Strafverhalten erfasst wurde. In der Literatur werden zwei Hypothesen diskutiert, wie das väterliche Verhalten durch die eigenen Kindheitserfahrungen beeinflusst wird. Bei beiden Hypothesen spielt das Verhalten der eigenen Eltern während der Kindheit eine große Rolle. (1) Die Modellierungs-Hypothese behauptet, dass

Väter sich ihren Kindern gegenüber so verhalten, wie sie es von ihren eigenen Eltern als Kind erfahren haben. Gemäß der Sozialen Lerntheorie würden Einstellungen und Verhaltensweisen von anderen Personen, zu denen man eine enge Beziehung hatte (in diesem Fall den Eltern), übernommen. (2) Die andere Hypothese besagt, dass - wenn die Beziehung zu den eigenen Eltern nicht gut war - ein Vater sich besonders bemühen wird, sich den eigenen Kindern gegenüber besser zu verhalten (Kompensationshypothese). Die eigenen schlechten Erfahrungen als Kind werden gewissermaßen dadurch "geheilt", dass man in der eigenen Familie die Bedingungen herstellt, die man selbst gern als Kind gehabt hätte.

Wie die eheliche Partnerschaft heute ist, hängt mit von den Großeltern ab! Das Verhalten des Großvaters und die Beziehung, die die Großeltern zueinander hatten, haben einen deutlichen Einfluss auf die Partnerbeziehung der befragten Väter, und zwar vor allem auf das Streitverhalten. Je mehr der Großvater gestraft und kontrolliert hat, je weniger Liebe er realisiert hat, je schlechter die heutige Beziehung zum Großvater ist und je schlechter die Beziehung der Großeltern

untereinander war, desto höher ist die Streithäufigkeit in der augenblicklichen Partnerschaft.

Das Verhalten des Großvaters scheint also als ein Modell zu wirken. Wenn die Vater-Kind-Beziehung gut war, gelingt es den erwachsenen Vätern besser, eine gute Partnerschaft aufzubauen. Wenn der Großvater den Vater als Kind häufig bestraft hat, so übernimmt der Vater wahrscheinlich dieses Verhalten gegenüber seinem eigenen Kind! Wir haben festgestellt, dass die Väter die Jugendlichen - aus der Sicht der Jugendlichen - mehr strafen, wenn der Großvater auch viel gestraft hat. D.h. auch hinsichtlich des Erziehungsverhaltens wirkt der Großvater als Modell. Die häufig als Kinder bestraften Väter unserer Untersuchung haben zwar das Ideal, ein möglichst guter Vater zu sein - sie haben ein Vaterschaftskonzept, das - mehr als bei allen anderen Vätern - betont, wie wichtig es ist, dass ein Vater z.B. offen ist für die Probleme des Kindes oder sich Zeit nehmen soll für das Kind; es scheint ihnen aber in der Realität nicht zu gelingen. Das belegen sowohl die Einschätzungen der Jugendlichen als auch die tatsächlichen Beschäftigungen der Väter mit ihren Kindern an zwei bestimmten Tagen. Häufiges Strafen des Großvaters führt dazu, dass sich die Väter wenig mit dem Kind allein beschäftigen. Wenn die Großväter aber selten gestraft haben, so beschäftigen sich die Väter vor allem dann viel allein mit dem Kind, wenn sie mit ihrer Partnerin häufig Streit haben. Der vermehrte Kontakt zwischen Vätern und Kindern kompensiert also in gewisser Weise die schlechte Partnerbeziehung, und zwar vor allem dann, wenn der Vater als Kind selbst gute Erfahrungen mit seinem eigenen Vater gemacht hat.

Es konnte gezeigt werden, dass die Kompensationshypothese - Väter, die ungünstige Kindheitserfahrungen gemacht haben, bemühen sich besonders darum, ein guter Vater zu sein – nur auf der Einstellungsebene gilt, wie sie mit dem Vaterschaftskonzept gemessen wurde. Auf der Verhaltensebene erhält die Modellierungshypothese mehr Unterstützung, dass Väter sich ihren Kindern gegenüber ähnlich verhalten, wie sie selbst als Kinder behandelt worden sind.

Präventive oder therapeutische Hilfe für die jetzigen Eltern mit schlechter Partnerschaftsqualität wäre erforderlich, um nicht nur die aktuelle Familie zu unterstützen, sondern auch ungünstige Effekte auf die kommende Generation abzumildern.

 

Kontakt: Dr. Beate Minsel Leoprechtingstr. 54 81739 München Deutschland Tel. 089-6012 440 Fax 089-6012 440 Email beate.minsel@extern.lrz-muenchen.de
 

    

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