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Familienmitglied Fernsehen Kleinfamilien haben die wenigsten Probleme mit den modernen Medien

Universität zu Köln, 1996

Kleinere Familien mit ein oder zwei Kindern kommen am besten mit dem Fernsehen zurecht. Alleinerziehende und kinderreiche Familien haben dagegen groessere Probleme mit diesem Medium. Haeufig wissen die Eltern nicht ueber das Sehverhalten ihrer Kinder Bescheid. Hierueber hat Frau Professor Dr. Bettina Hurrelmann eine Studie im Auftrag der Landesanstalt fuer Rundfunk NRW (LfR) in der Arbeitsstelle fuer Leseforschung und Kinder- und Jugendmedien (ALEKI) an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultaet der Universitaet zu Koeln erstellt. Sie kommt zu dem Schluss, dass Eltern nicht gegen das Fernsehen ankaempfen, sondern unterscheiden sollten, wann es Spass macht, wann es langweilig ist oder wann Kinder andere Anregungen brauchen und wuenschen.

Mit der Einfuehrung des Privatfernsehens in der Bundesrepublik vor zehn Jahren gab es im Kommunikationssektor einen Strukturwandel. Die neue und wachsende Vielfalt der Programme und das Fernsehen als Unterhaltungsware stellen fuer Familien, in denen Kinder aufwachsen, neue Herausforderungen dar. Die Studie zeigt auf, wie Familien mit der veraenderten Situation zurecht kommen, welche Rolle das Fernsehen heute im Familienalltag spielt und welche Formen der Fernseherziehung sich herausgebildet haben. Aber auch, wie die Medienpaedagogik helfen kann.

Nicht nur die Medienlandschaft hat sich in den letzten zehn Jahren veraendert, sondern auch die Lebensform 'Familie'. Frau Professor Hurrelmann geht davon aus, dass es gegenwaertig nicht mehr 'die' Familie gibt, sondern, dass Kinder heute unter sehr verschiedenen Familienbedingungen aufwachsen. Vier Familienformen werden beruecksichtigt: Ein-Eltern-Familien, Zwei-Eltern-Familien mit einem Kind, Familien mit zwei Kindern und mit drei und mehr Kindern. Je nach Kinderzahl und Zahl der Erwachsenen in der Familie unterscheiden sich die interfamiliaeren Beziehungsmuster grundsaetzlich, das betrifft besonders die Rollenaufteilung zwischen den Eltern. Beide Veraenderungen - die der Medienlandschaft und die der Familien - muessen aufeinander bezogen werden, um die gegenwaertige Situation von Familie und Fernsehen differenziert wahrzunehmen. Fuer die Studie wurden Eltern und Kinder selbst befragt, es handelt sich also um die erlebte Belastung durch das Fernsehen. Unter diesem Gesichtspunkt lassen sich die vier Familienformen in zwei Gruppen unterteilen: In kleinere Zwei-Eltern-Familien mit einem oder zwei Kindern sowie in Ein-Eltern-Familien und in kinderreiche Familien.

Bei den Familien der ersten Gruppe zeigten sich die wenigsten Probleme mit dem Fernsehen. Die Eltern fuehlen sich relativ sicher, dass die von ihnen aufgestellten Fernsehregeln befolgt werden und dass die Kinder auch ausserhalb der Familie nichts Ungeeignetes sehen. Mutter und Vater wissen ueber die Fernsehgewohnheiten der Kinder besser Bescheid als die Eltern in groesseren Familien und sehen auch oefter zusammen mit den Kinder fern. Negative Auswirkungen auf das Verhalten der Kinder (wie z.B. AEngste, Nervositaet, Aggressivitaet etc.) beobachten sie seltener. Die Familien vermitteln insgesamt den Eindruck, in der Fernseherziehung 'alles im Griff' zu haben. Die Lebensform 'Zwei Erwachsene + ein Kind' ist insofern interessant, weil hier ein hoher Anteil der Muetter erwerbstaetig ist. Meist sind es Teilzeitbeschaeftigungen, die den Frauen die Moeglichkeit geben, Familie und Beruf flexibel zu verbinden. In dieser Familienform kuemmern sich die Vaeter am meisten mit um Haushalt und Kinder. In der Ein-Kind-Familie laesst sich heute am ehesten ein Leben realisieren, das den gesteigerten Individualisierungsanspruechen der Erwachsenen und den erhoehten Anspruechen an die Erziehung angepasst ist. Dazu gehoert auch eine grosse Aufgeschlossenheit den Medien gegenueber. Problematisch wird das Fernsehen in der Ein-Kind-Familie, wenn sich dadurch Spannungen im Dreiecksverhaeltnis Vater, Mutter und Kind verstaerken. Hier kann es zu Koalitionsbildung zwischen zwei Personen (meist Mutter und Kind) kommen, die die dritte Person (den Vater) isolieren. Im Vergleich mit der Ein-Kind-Familie wirkt die Familie mit zwei Kindern traditioneller, d.h. zugleich rollendifferenzierter und mediendistanzierter. Ein guter Umgang mit dem Medium Fernsehen ist allein den Erziehungsleistungen der Mutter zu verdanken.

Bei den Familien der zweiten Gruppe gibt es groessere Probleme mit dem Fernsehen. Die Eltern sind unsicher, ob ihre Fernseherziehung ueberhaupt greift, deshalb verzichten sie oft ganz auf Fernsehregeln. Alleinerziehende Muetter sehen den Fernsehkonsum ihrer Kinder kritisch, weil sie nicht wissen, wann und wo diese sonst noch fernsehen. Ein besonderes Problem ergibt sich auch daraus, dass das Medium fuer die Beziehungsgestaltung in der knappen gemeinsamen Freizeit von Mutter und Kind einen hoeheren Stellenwert bekommt als in anderen Familien.

Familienformuebergreifend unterscheidet die Studie drei grosse Problembereiche: 'Masslosigkeit und Orientierungslosigkeit in der Fernsehnutzung', 'UEberfunktionalisierung des Fernsehens fuer das Familiensystem' und 'problematischer Umgang mit Freizeit ueberhaupt'. Haeufig wird nur aus Langeweile und deshalb unbewusst und unkonzentriert ferngesehen. Die Auswahl aus der Vielfalt des Angebotes ueberfordert - hier besonders die bildungsmaessig unterprivilegierten - Familien. Die beziehungsgestaltenden Funktionen des Fernsehens werden in dem Moment gefaehrlich fuer die Familiendynamik, wo sie ueber bestehende Spannungen nur hinwegtaeuschen und notwendige Veraenderungen des Familiensystems verhindern. Schon aus frueheren Forschungsergebnissen ist bekannt, dass sich der Gegensatz zwischen aktiver und passiver Freizeitgestaltung in der Hoehe des Fernsehkonsums niederschlaegt. Das Fernsehen ist heute seltener eine Attraktion, haeufiger ein notduerftiger Behelf im Leben der Kinder. Der groesste Teil der Eltern meint, dass die Fernseherziehung Sache der Familie sei.

Eine Hilfe erhoffen sie sich von speziellen Programmempfehlungen fuer Kinder, von speziellen Kinderkanaelen und von einer verbesserten Kinderprogrammkritik.

Quelle: Pressemeldung Dr. Wolfgang Mathias, Uni Köln. 1996

 

 

    

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